Boisserée, Sulpiz (Best. 1018) Laufzeit: 1807-1853 Bestand (0 Verzeichnungseinheiten, 41 Einträge)

Boisserée, Sulpice, 1783-1854, Oberbaurat umd 1835 Generalkonservator in München, 1840 preußischer Geheimer Hofrat in Bonn, Kunsthistoriker und Gemäldesammler; Enthält unter anderem: Tagebücher, Korrespondenz; Materialsammlung zur Kunstgeschichte


I. Die Briefsammlung der Brüder Sulpiz und Melchior Boisserée
Die nachstehende provisorische Verzeichnung der Briefsammlung der Brüder Sulpiz und Melchior Boisserée erfaßt einen Teil des Bestandes 1018 Sammlung Boisserée, nämlich die Korrespondenzen.

1) Der Nachlaß Boisserée
im Stadtarchiv von Köln stammt aus dem Besitz von Sulpiz Witwe Mathilde. Sie wertete ihn zumeist bereits für ihr zweibändiges Werk aus, übrigens höchst eigenwillig: sie vermischte Tagebuchnotizen, Briefe und deren Antworten, ließ auch sehr vieles weg, vor allem das, was den großen Idealisten Sulpiz Boisserée von seiner kaufmännischen Seite zeigte. Die Goethe-Briefe gab sie bereits früh an die Universitätsbibliothek Bonn, die übrigen Schriften erbte zunächst Neffe Christian Boisserée mit der Auflage, sie einem öffentlichen Institut nach Aussterben seines Familienzweiges zukommen zu lassen. Christian Boisserée schenkte der Stadt Köln daher bereits 1877 einen kleinen Anteil an Briefen (unter anderem von Schlegels) und Schriften (vergleiche HAStK Best. 6, Nr. 3, Fasz. 3, Bl. 84 ff). Dieselben Briefe wurden 1910 der Universitätsbibliothek Bonn und dann dem Stadtarchiv Köln erneut zum Kauf angeboten und von letzterem nochmals, diesmal käuflich erworben. Vorbesitzer war Lehrer Gürtler, der sie aus dem Nachlaß Ennen hatte (Best. 1, Nr. 31, Fasz. 4, 1910 Oktober). Christians Tochter, Fräulein Elise Boisserée, schenkte der Stadt Köln dann 1903 die Hauptmasse der Briefe (HAStK Best. 6, Nr. 3, Fasz. 4, Bll. 154 ff.) und verkaufte ihr 1910 noch 21 Bände Tagebücher, eine Anzahl weiterer Manuskripte sowie den Briefwechsel der Brüder Sulpiz und Melchior aus den Jahren 1812-1827 (HAStK Best. 6 Nr. 3, Fasz. 4, Bl. 179 ff.; vergleiche Best. 1, Nr. 31, Fasz. 4). Außerdem sind dem Bestand auch spätere Zukäufe eingeordnet worden, so 97 Briefe von der Universitätsbibliothek Heidelberg (Acc. 28/1928), der Briefwechsel- von Groote, erworben 1940 von Professor Schulte-Kemminghausen, Münster, (Acc. 273/1940), auch Einzelstücke aus Antiquariaten, wie sie noch laufend angeboten werden, sowie Kopien (Acc. 368/1950, 545/1961, 576/1974, 657/1969, 659/1969, 689/1970, 719/1971, 743/1971).
Die Briefsammlung Boisserée im Stadtarchiv Köln umfaßt zur Zeit 2441 Briefe, von denen 1953 durch eine kurze Inhaltsangabe verzeichnet sind, während die 488 Schreiben, die Melchior und Sulpiz wechselten, nur rein äußerlich erfaßt wurden (zu den Gründen siehe Boisserée, Melchior, 1018, Serie 36). Eine mindestens ebenso große Anzahl an Briefen, vor allem solche der Boisserées selbst, finden sich in den Nachlässen von anderen Adressaten. Dr. Hans Joachim Weitz, Bensheim, hat darüber Unterlagen angelegt.

2) Der Wert der Boisseréeschen Briefsammlung
ist höchst unterschiedlich, zumal es sehr verschiedene Gesichtspunkte gibt, unter denen man die einzelnen Korrespondentenserien betrachten kann:
a) Zahlreiche Briefe hochgestellter Persönlichkeiten, die auf dem Autographenmarkt entsprechend gehandelt werden, enthalten nur einen belanglosen Dank für den Zutritt zur Gemäldegalerie der Boisserées oder die Empfehlung für einen verwandten oder befreundeten Menschen, der die Sammlung sehen will. Da man sich den Zutritt nicht käuflich durch Erwerb eines Billetts sichern konnte, benötigten minder bekannte Personen Empfehlungen.
b) Ganz andersartige Briefe wurden zwischen Nahestehenden, die gewöhnlich zusammenlebten, ausgetauscht: sie sind für den außenstehenden Leser heute nur schwer verständlich und waren wirklich nur für den Moment bestimmt: das gilt besonders für den Briefwechsel Sulpiz und Melchior Boisserée: beide Partner wären gewiß entsetzt, wenn sie gewahr würden, wie die Archivare in ihrer Intimsphäre "forschen".
c) Dagegen ist für den modernen Leser zum Beispiel der Briefwechsel mit Bernhard Boisserée, dem Verwalter des Familienvermögens, sehr instruktiv: die Brüder legen Rechenschaft ab über ihre Tätigkeit.
d) Andere Korrespondentenserien zeichnen sich durch hohen literarischen Wert aus (Creuzer, Gervinus, Görres, Grimm, Groote, Schelling, Schlegels, Thibaut, Thomaas, Willemer).
e) Wiederum andere haben wissenschaftshistorischen Wert und sind, schon wegen des langsamen Werdens der noch fehlenden kunsthistorischen Terminologie, eine Edition wert (Dombrowsky, Engelhardt, Hittorf, Schorn, Schwanthaler, Schweighäuser).

3) Anlaß der Inventarisierung
war die häufige Benutzung des Bestandes. Einmal handelte es sich dabei bisher meist darum, daß von den Briefpartnern der Brüder kritische Briefausgaben vorbereitet wurden, in die auch die im Nachlaß Boisserée befindlichen Stücke Aufnahme finden mußten, z.B. in die Briefeditionen der Schlegels, Schellings u.a.; zum anderen enthält die Sammlung Boisserée viele Autographen führender Personen aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die gern in Ausstellungen gezeigt zu werden pflegen, wobei der Inhalt derartiger Briefe von sekundärem Gewicht ist. Für eine zuverlässige, einfache Benutzung sowohl einzelner Korrespondentenserien als auch von Schaustücken war ein einheitliches mechanisches Prinzip, nämlich die alphabetische Anordnung von Korrespondentenserien, erforderlich.
Neue Editionsprojekte sind andererseits in jüngster Zeit angelaufen, die ausnahmslos oder vornehmlich aus der Sammlung Boisserée schöpfen und die Brüder Boisserée in den Mittelpunkt des Interesses stellen.
Folgende Werke befinden sich zur Zeit in Vorbereitung:
Dr. Hans-Joachim Weitz, Bensheim, ediert die Tagebücher von Sulpiz Boisserée;
Dr. Herbert Rode, Köln, gibt aufgrund von Vorarbeiten von ? Dr. Elisabeth Christern die Architektenbriefwechsel (Moller, Schinkel, Zwirner) der Boisserées heraus.
Dr. Marianne Küffner, Düsseldorf, ediert Künstler- und Verleger-Briefwechsel der Boisserées im Auftrag der Akademie der Wissenschaften von Nordrhein-Westfalen (2 Bände sind bereits genehmigt).
Dr. Friedrich Strack, Heidelberg, bereitet eine germanistische Habilitationsschrift vor über die Heidelberger Romantik (unter anderem Briefwechsel Creuzer, Thibaut);
Annemie Dietze, Bonn, hat eine Staatsarbeit über Eberhard von Groote vorgelegt, in der der Briefwechsel mit den Boisserées ediert ist; diese Arbeit wird voraussichtlich zur Dissertation ausgebaut (bei Professor Dr. Röllecke, Köln/Wuppertal).

4) Zur Verzeichnung des Bestandes
sei vorausgeschickt, daß es nicht Ziel archivischer Verzeichnung eines privaten Briefwechsels sein kann, den Inhalt der Briefe, der vielfach aus Andeutungen besteht, zu erschließen und die Auflösung von abgekürzten, verschlüsselten und auch schwer entzifferbaren Eigennamen herbeizuführen. Der Arbeitsaufwand für die zahllosen Einzelfragen, die hier zu berühren und zu klären sind, muß dem Benutzer beziehungsweise Herausgeber vorbehalten bleiben. Dem Findbuch kommt daher nur ein provisorischer Charakter zu, zumal die Auswahl der erwähnten Sachbetreffe nach - allerdings subjektivem - Ermessen vorgenommen wurde. Im Mittelpunkt des Interesses standen für diese Auszüge grundsätzlich die Beziehungen zwischen Personen.
Wegen Zeitdruckes wurden die Notizen nicht mit den Originalen kollationiert; Fehler in Datierung, Lesung von Namen usw. dürften daher häufig sein.
Zur Identifizierung des Materials und der darin genannten Personen sind nur ganz oberflächliche Anstrengungen gemacht worden. Die Charakterisierung der Korrespondenten erfolgte nach Brockhaus' Konversations-Lexikon, 14. Aufl. 1892 - 1897, und Thieme-Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler. Ergänzungen wurden der Korrespondenz selbst entnommen, insbesondere dem Briefwechsel Bernhard Boisserée. Nicht eingearbeitet sind hingegen die Tagebücher, da sie wegen der bevorstehenden Edition weitgehend nicht zugänglich waren. Herangezogen wurde die Edition von Mathilde Boisserée: Sulpiz Boisserée, Briefwechsel, Tagebücher; sie wird auch immer zu den Einzelstücken zitiert, gibt aber in so gut wie keinem Fall die Briefe wörtlich wieder: immer ist gestrichen oder geändert. Auch wichtige Erwähnungen von Stücken bei Firmenich-Richartz, Sulpiz und Melchior Boisserée als Kunstsammler, sind meist angemerkt.

5) Bei der Benutzung des Bestandes ist Folgendes zu beachten:
Die Briefe liegen nach Korrespondentenserien. Antwortschreiben bzw. deren Entwürfe sind in die einzelnen Serien in chronologischer Abfolge eingearbeitet. Die Serien selbst folgen sich alphabetisch und sind außerdem durchgezählt, um leichter im Magazin aufgefunden zu werden. Damit wird die ältere Verzeichnung von circa 1910, die entweder Nummern (für namhafte Korrespondenten, Abfolge nach Wichtigkeit, Nr. 1 daher Goethe) oder Korrespondentennamen, alphabetisch (bei unbedeutenden Personen) kannte, hinfällig. Zitiert und bestellt wird nach Bestand (1018), Nr. der Korrespondentenserie - eventuell gibt man beim Zitieren im Druck zweckmäßig auch den Namen des Korrespondenten an -und Nr. des Briefes. Eine Konkordanz zu den alten Signaturen erübrigt sich, da alle Briefe jetzt streng nach Alphabet der Korrespondenten liegen und sich daher mühelos auffinden lassen. Diese Organisation macht auch ein Register entbehrlich.

6) Abkürzungen
B: Boisserée
S. B.: Sulpiz Boisserée
MB: Mathilde Boisserée (Heraussgeber): Sulpiz Boisserée, Briefwechsel, Tagebücher
FR: E. Firmenich-Richartz, Sulpiz und Melchior Boisserée als Kunstsammler
Literatur: s. unter der folgenden Lebensbeschreibung von Sulpiz und Melchior Boisserée.
Das Repertorium schrieb Frau Monika Kropat.
Köln, im Januar 1977


II. 1.) Sulpiz und Melchior Boisserée
1) Kurzbiographie
(aufgrund Angaben in den Briefen, im "Brockhaus" und bei Braunfels)
Sulpiz Boisserée
* 2.8.1783 Köln, ? 2.5.1854 Bonn
und
Melchior Boisserée
* 23.8.1786 Köln, ? 14.5.1851 Bonn
dürfen als Kunstgelehrte zu den Begründern der Kunstwissenschaft in Deutschland schlechthin gezählt werden.
Sie entstammten einer Kölner Kaufmannsfamilie, die väterlicherseits aus dem Lütticher Land, mütterlicherseits aus Köln selbst kam. Als vorletztes und letztes, nämlich 10. und 11. Kind wurden sie dem Nicolas Boisserée (1736-1792) und seiner Ehefrau Maria Magdalena Brentano (? 1790) geboren. Der Vater führte das angesehene Handelshaus Nicolas de Tongre auf der Bach in Köln, das er von seinem Oheim mütterlicherseits Nicolas de Tongre geerbt hatte.
Die früh verwaisten Boisserée-Jüngsten wurden von ihren älteren Geschwistern aufgezogen. Von ihnen sind häufig erwähnt:
a) Gertrud, * 14.8.1766, seit 1796 verheiratet Stark, ? nach 1828
b) Nicolas Josef, genannt Bruder Canonicus, * 17.12.1768, seit 1786 Kanoniker an St. Severin, Primiz 1791, ? 1818
c) Bernhard, * 31.12.1773, ? 14.5.1845
Leiter des Handelshauses de Tongre, verheiratet mit Elisabeth Cornille. Kinder:
Wilhelm, heiratet eine Dumont; Kinder: Joseph ist erwähnt.
Hermann, heiratet 1836 Frl. Heimann, ? 1844
Karl, verheiratet, Kind
Therese heiratet Julius Boisserée
Sulpiz iunior, * 1804, heiratet 1838
Nicolas
Gertruds, heiratet 1843 Boecker
Lieschen
Christian, 1818-1886, Kaufmann, 1856 preußischer Regierungsrat, Vater der Elise
d) Lorenz, ? vor 1842, zwei Söhne Joseph und Bernhard, eröffnen Buchhandlung in Aachen
e) Therese, verheiratet Schülgen, ? 1817, Sohn Heinrich, heiratet 1827 Fränzchen Bartmann
f) Wilhelm, ? 1813 Dezember; Witwe ist Josephine genannt Phinchen mit Kindern
Wilhelm (? 1842)
Gustav, Arzt, (dessen Ehe mit einer Wilken 1839 getrennt wird)
Bernhard
g) Marianne, ? 1833, verheiratet Boecker, hatte Sohn Gustav.

Sulpiz (Vorname nach seinem Taufpaten Johann Sulpiz Pols, Propst von Langwaden) und Melchior sollten in der elterlichen Handlung wirken. 1794 erleben sie Einmarsch der Franzosen in Köln. 1739/99 weilt Sulpiz zur Lehre in Hamburg, dort hat er Kontakte zum Hause des Naturwissenschaftlers Reimarus, zu Bürgermeister Sieveking und Verleger Perthes. Wieder in Köln, befreunden sich die Brüder mit dem 7 Jahre älteren Juristen Bertram, der mit ihnen seit 1810 ständig zusammenlebte und die kritische Stimme in ihrem Terzett sang.
1803-1804 widmeten sich die Brüder mit Bertram in Paris ästhetischen Studien und traten in Beziehung zu Friedrich und Dorothea Schlegel, die ihnen bis 1808 sehr nahe blieben und sie entscheidend prägten. 1804 retteten die Brüder das erste Gemälde aus säkularisierten Kölner Kirchen vor der Vernichtung.
Als sie 1810 aus dem französischen Köln in das freiere Heidelberg auswichen, besaßen sie schon 150 bis 200 Gemälde, in den folgenden 4 Jahren erfolgte die Vervollständigung der Sammlung deutscher und niederländischer mittelalterlicher Kunst. Sulpiz war der spiritus rector des Privatmuseums, Melchior der Pfleger, Restaurator und Unterhändler. Boisserées tauschten auch fleißig Kunstwerke, um jeweils möglichst ein repräsentatives Werk jeder Kunstrichtung zu besitzen. In der Heidelberger Zeit sahen sie fast alle führenden Personen Europas als Besucher ihrer Sammlung, für die sie 1811 den sonst ausnahmslos der Klassik verschriebenen Goethe erwärmen konnten. Die in Heidelberg sehr wirksame Bewegung der Romantik erwies sich als idealer Nährboden des Boisseréeschen Kulturkonzepts.
Da Boisserées Kaufleute waren, dachten sie schon früh an Verkauf der Sammlung. Mit den Kölner Behörden war an ein Übereinkommen nicht zu denken. Aber bereits der Freiherr vom Stein interessierte sich für die Galerie als einem nationalen Unternehmen der Deutschen; doch scheiterten alle Verhandlungen mit Preußen trotz Schinkels Vermittlung an den Forderungen der Boisserées. 1818 bot ihnen der König von Württemberg ausreichenden Raum für ihr Museum in Stuttgart, dem Ankauf verweigerten die württembergischen Stände jedoch ihre Zustimmung. So war es König Ludwig I. von Bayern, der 1827 die Sammlung für die damals horrende Summe von 240000 Gulden anzukaufen verstand. Die Mehrzahl der Gemälde kam nach einer Übergangszeit in Schleißheim von 1828-1836 in die Alte Pinakothek zu München, ein Rest nach Nürnberg, Sulpiz und Melchior folgten mit Bertram 1828 nach München.
Seit seiner Jugend kämpfte Sulpiz mit Görres unter anderem um die Fortsetzung und Vollendung des Kölner Dombaus. Von großer publizistischer Wirkung war sein seit 1823-32 bei Cotta in Stuttgart verlegtes Werk: Geschichte und Beschreibung des Doms von Köln, 2. Aufl. 1843 in München, wobei der Architekturmaler Quaglio Hilfestellung gab. Auch Sulpiz Boisseré's "Denkmale der Baukunst vom 7. bis 13. Jahrhundert am Niederrhein" (1831-1833) fanden großes Echo. Weitere Werke von Sulpiz sind 1834 "Über den Tempel des heiligen Gral" und 1842 "Die Kaiserdalmatika in der Peterskirche zu Rom". Melchior brachte 1821-1840 die "Sammlung alt-, nieder- und oberdeutscher Gemälde" in 38 Heften heraus mit Hilfe des Kupferstechers Strixner.
1835 wurde Sulpiz Boisserée in München königlicher Oberbaurat und Generalkonservator der plastischen Denkmäler in Bayern. Aber der bloße Gedanke an eine feste berufliche Bindung machte den zartbesaiteten, inzwischen 52 Jahre alten Sulpiz krank und ließ ihn mit seiner Frau auf Reisen gehen. In den schönsten Gegenden Südfrankreichs und Italiens suchte er 3 Jahre hindurch 1836-1839 in abenteuerlicher Flucht und panischer Angst, der Cholera zu entgehen, welche ihrerseits in München nur Melchior antraf.
Als nach der Gründung des Zentralen Dombauvereins 1840 der von Preußen geförderte Dombau zunehmend Fortschritte machte, zog es die Boisserées wieder an den Rhein. 1845 ließen sie sich zwar nicht in Köln, aber immerhin im benachbarten Bonn nieder, wo sie ihre letzten Lebensjahre hochgeehrt verbrachten.
Das Verdienst der Boisserées wird unter anderem deutlich, wenn man sich klar macht, daß es in ihrer Zeit 1. keine öffentlichen Museen gab und daß 2. die kunstgeschichtliche Terminologie noch gänzlich fehlte. Man kannte keine Begriffe wie Romanik oder Gotik; vielmehr bezeichnet Sulpiz diese Stilepochen mit "byzantinisch" und "altdeutsch".

2) Ausgewählte Literatur-Hinweise (nach Braunfels)
Sulpiz Boisserée,
Geschichte und Beschreibung des Doms von Köln (Stuttgart 1823);
Denkmale der Baukunst vom 7. - 13. Jahrhundert am Nieder-Rhein, hrsg. von Sulpiz Boisserée (München 1833); Ansichten, Risse und einzelne Teile des Doms von Köln, mit Ergänzungen nach dem Entwurf der Meister, nebst geschichtlichen Untersuchungen und einer Beschreibung (2. Aufl. München 1843).
Mathilde Boisserée, geborene Rapp, Sulpiz Boisserée, Tagebücher, Briefwechsel, Bd. 1 - 2 (Stuttgart 1862).
E. Firmenich - Richartz, Sulpiz und Melchior Boisserée als Kunstsammler. Ein Beitrag zur Geschichte der Romantik, mit Bibliographie bis 1916 (Jena 1916).
Wilhelm Schellberg, Sulpiz und Melchior Boisserée als Kunstsammler, (Festschrift Sebastian Merkle zu seinem 60. Geburtstage gewidmet von Schüler und Freunden 1922, S. 282-299).
H. Nasse, Sulpiz Boisserée und die Kunst (Die Kunst, Jg. 25, 1923/24, S. 11-13, 56 - 61).
H. J. Langen, Boisserée und Graf Reinhard. Zur Geschichte des Apollinarisberges und seiner Bewohner in den Jahren 1807-1836 (Remagen 1927).
O. Kletzl, Sulpiz Boisserées Beziehungen zu Böhmen, in: Sudentdeutsches Jahrbuch (1928),
Sulpiz Boisserée und Joseph Dobrowsky. Ein Briefwechsel als Beitrag zur Parler-Frage (Witiko-Vierteljahresschrift für sudetendeutsche Kunst und Dichtung, 1928, Stück 3, S. 231 - 247).
O. H. Förster,
Kölner Kunstsammler vom Mittelalter bis zum Ende des bürgerlichen Zeitalters. Ein Beitrag zu den Grundfragen der neueren Kunstgeschichte (Berlin 1931), S. 86 ff. und Register.
M. Rychner, Goethe und Sulpiz Boisserée, in: Sphären der Bücherwelt (Zürich 1952), S. 48 - 59.
P. Moisy, Sulpiz Boisserée, ses voyages en France (1820, 1823-24, 1325), in: Wallraf-Richartz-Jahrbuch (1953), S. 220. Les séjours en France de Sulpice Boisserée "1820-1825" (Paris 1956).
H. Rode, Der Kölner Dom in der Anschauung Sulpiz Boisserées, in: Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins 29 - 30 (1957), S. 260 - 290 und 6 Abb. (Dombibliographie 1957, Nr. 93).
K. G. Faber, Sulpiz Boisserée in französischer Sicht, in: Rheinische Vierteljahresblätter, 23 (1958), S. 97-106.
G. Poensgen, Die Begegnung Goethes mit der Sammlung Boisserée in Heidelberg, in: Ruperto-Carola. Mitteilungen der Universität Heidelberg XII (1960), S. 82 - 110.
K. Arndt, Der Columba - Altar, Reklam Nr. 84 (Stuttgart 1962).
W. u. D. Robson - Scott, Goethe and Boisserée, The literary background of the Gothie Revival in Germany (Oxford 1965), S. 153 - 224.
V. Plagemann,
Das Deutsche Kunstmuseum 1790 - 1870. Lage, Baukörper, Raumorganisation, Bildprogramm (Studien zur Kunst des 19. Jahrhunderts, Phil.-Diss. Hamburg 1966), München 1967, S. 25 ff.
A. Bach,
Aus Goethes rheinischem Lebensraum (Neuss 1968).
W. Braunfels,
Sulpiz Boisserée (1783 - 1854) in:
Rheinische Lebensbilder 4 (1970) S. 159 - 174.
H. Rode,
Das Kölner Dombauarchiv und seine Künstlerbriefe des 19. Jh., in: Kölner Domblatt 33/34 (1971) S. 237 - 238.
Eine vollständige Bibliographie der neueren Literatur gibt seit 1954 Herbert Rode in den Dombibliographien des Kölner Domblattes.

Zum Nachlaß Boisseree gehören die Nachschriften von Vorlesungen Friedrich Schlegels, gehalten in den Jahren 1805 his 1807 in Paris und Köln. Zum Teil sind sie von Sulpiz Boisseree selbst geschrieben. Sie werden im Historischen Archiv der Stadt Köln aufbewahrt in der Abteilung
Handschriften W* 228, W* 239, w* 239a
W* 240
(vgl. die Beschreibung bei Menne, Deutsche und niederländische
Handschriften, S. 204 - 205).


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