Fastenrath, Luise (Best. 1032a) Bestand (0 Verzeichnungseinheiten, 0 Einträge)

Einleitung
I. Übernahme, Ordnung, Benutzung
1. Übernahme
(Vgl. Best. 1032: Johannes Fastenrath)
2. Ordnung
Bei der Ordnung und Verzeichnung des Fastenrath-Nachlasses durch Dr. Werner Kienitz in den Jahren 1962 - 1969 wurden die an Louise Fastenrath gerichteten Schreiben in dem Bestand 1032 a zusammengestellt. Auch hier wurde wie bei Johannes Fastenrath eine Einteilung in die eigentlichen nach Korrespondenzpartnern alphabetisch geordneten Briefe und die unter thematischen Gesichtspunkten zusammengefaßten Zeitschriften, Zeitungsausschnitte und andere Schriftstücke gemacht.
Dabei wurde eine dem Bestand inhärente Ordnung außer Acht gelassen: Louise Fastenrath hatte in den zwei Jahren nach dem Tode ihres Gatten Fritz Zilcken damit beauftragt, die Jahrbücher der Blumenspiele zu einer Art "Gedenkbuch" für den Verstorbenen zu gestalten. Der überwiegende Teil der Kondolenzbriefe, Nachrufe in Zeitungen und Zeitschriften und anderer Beileidsbezeugungen findet sich demnach in den Jahrbüchern 10 und 11 der Blumenspiele abgedruckt. Soweit möglich, wurde dies im Repertorium vermerkt. Nicht abgedruckt wurden lediglich Visitenkarten, die wahrscheinlich Kranzspenden beigegeben waren. Von den von Fritz Zilcken erwähnten an die 1 000 Jen Briefs, die nicht in den Jahrbüchern gedruckt wurden, hat sich jedoch nur ein Bruchteil erhalten, der Rest muß als verloren gelten.
Aus den erhaltenen Briefen geht weiterhin die Tätigkeit Louisens als literarische Nachlaßverwalterin ihres Gatten sehr klar hervor. Die Briefe nehmen zum einen Bezug auf das Erscheinen der stark erweiterten Neuauflage der "Walhalla", zum anderen handelt es sich um Dankschreiben von Privatpersonen und Bibliotheken des In- und Auslandes, denen sie Werke ihres Gatten geschickt hatte. Nur zufällig haben sich einige private Briefe von Freunden erhalten. Auf die literarische Tätigkeit Louisens selbst fehlt jeder Hinweis, an sie gerichtete Briefe aus den Jahren vor 1908 sind sehr selten.
Im Herbst 1981 wurde bei der Restaurierung eines KStA S. 17.12.1981 Renaissanceschrankes aus dem Besitz des Ehepaars Fastenrath, der sich in den Beständen des Kunstgewerbemuseums befindet und von Louise 1914 zusammen mit weiteren Möbeln, Gemälden, gerahmten Urkunden und Diplomen an die Stadt Köln mit der Auflage gegeben worden war, ein "Johannes-Fastenrath-Zimmer" einzurichten, eine Sammlung von Autographen verschiedener Schriftsteller und Dichter der Jahrhundertwende gefunden, die alle Bezug auf den Plan der Frau Fastenrath nahmen, ein Künstleralbum zusammenzustellen und eventuell zu veröffentlichen.
Ein ausgewählter Teil davon wurde der Öffentlichkeit in einer Ausstellung des Kunstgewerbemuseums: "Verborgene Schätze ans Licht geholt" vorgestellt, die Briefe im Anschluß daran dem Historischen Archiv zur Aufbewahrung übergeben. Die dazugehörigen Fragebogen, die 1914 wahrscheinlich auch ins Kunstgewerbemuseum gelangten, müssen leider für verloren gelten. Louise hatte in ihrem Testament bestimmt: "Auch mein Autographen-Album mit von Dichtern und Schriftstellern beantworteten Fragebogen soll dort (d. h. im Fastenrath-Zimmer) aufgelegt werden". Die 20 Fragen sind allerdings dank einer Veröffentlichung in den Werken von Wilhelm Busch bekannt (vgl. Anlage).
Die Autographensammlung wurde unter der Sign. 1032 a/923/1 - 288 dem Bestand der Louise Fastenrath alphabetisch nach Ausstellern geordnet angegliedert.
Unter den Briefen, die vom Kunstgewerbemuseum an das Historische Archiv übergeben wurden, fanden sich auch Schriftstücke, die in keinem Bezug zu der Fragebogenaktion standen. Sie wurden den entsprechenden Korrespondenzpartnern zugeordnet. Es handelte sich dabei um 18 Briefe der Alberta von Puttkammer an Louise aus den Jahren 1904 - 1906 (= 1032 a/654/3 - 20), 2 Briefe der Bertha von Suttner, einen Vortragsabend vor der Lit. Gesellschaft in Köln im Jahre 1905 betreffend (= 1032 a/819 a/1 - 2), 2 Briefe von Ernst Scherenberg und ein Antwortgedicht Louisens aus dem Jahre 1905 (= 1032 a/723 a/1 - 2), 2 Briefe von Johannes Trojan (= 1032 a/834 a/1 und 1032/2745/8) sowie je einen Brief von Alex Braunschild (1032 a/157/5), Mathieu Schwann (1032 a/787/3), Hermione von Preuschen (1032 a/650/2), Paul Pochhammer (1032 a/640/2), Helene von Mohbart (1032 a/550/2), Marie von Malapart (1032 a/516/6), Therese Keiter (1032 a/430/3), Carl Alexander, Freiherr von Gleichen-Rußwurm (1032 a/313/2), Eva (1032 a/29/3) und Wolf von Baudessin (1032 a/30/2), Carl Busse (1032 a/174/2) und ein Gedicht von Fritz Decker "zum Geburtstag der Frau Louise Fastenrath (1907)" (1032 a/213/6). Außerdem wurden vier Briefe an Johannes Fastenrath seinem Fond beigefügt: Johannes Trojan (= 1032/2745/8), Elise von Hohenhausen (1032/1153/3), Adele Milan-Doré (1032/567/2), Else Galen-Gube (1032/932/16) sowie eine Visitenkarte von Felix Dahn (1032/493/2).
3. Benutzung
Die Benutzung des Bestandes unterliegt keinen Beschränkungen.
Zitierweise: Best. 1032 a und laufende Nummer des Findbuches
II. Lebenslauf und Genealogie
1. Lebenslauf
1858, März 10
Geburt Louisens in Zombor (Ungarn) als jüngere Tochter des Prager Rechtgelehrten Moritz Goldmann und seiner Ehefrau Rosine, geb. Hirschler aus Agram.
1865
Nach dem Tode des Vaters zieht die Familie zunächst zu Verwandten nach Agram, dann nach der Heirat der älteren Tochter Anna mit dem Wiener Bankier Hirschler nach Vöslau bei Wien. Nachdem sie zunächst von ihrer Mutter privat unterrichtet worden war, besucht Louise nun das Konservatorium, um eine Ausbildung als Sängerin und Pianistin zu erhalten. Sie ist die Lieblingsschülerin des Sängers Marchesi, bis sie plötzlich aus ungeklärten Gründen ihre Stimme verliert. Sie wer der sich nun der Literatur zu und schreibt Feuilletons in österreichischen Zeitschriften und verfaßt ihre ersten Komödien: "Es kann nicht sein", "Erste und einzige Liebe", "Ein geheimnisvoller Brief".
1881, September
Auf dem "Allgemeinen Schriftstellerkongreß" in Wien, den sie zusammen mit ihrer unter dem Pseudonym Anna Forstenheim literarisch tätigen Schwester besucht, lernt Louise den Kölner Schriftsteller Johannes Fastenrath kennen.
1882, August
Verlobung mit Johannes Fastenrath
1883, März 27
Hochzeit in Vöslau bei Wien und Übersiedlung des Paares nach Köln in die Christophstraße 12. In den folgenden Jahren begleitet sie ihren Gatten auf allen Reisen und veröffentlicht selbst unter den Pseuldonymen Louise Asten, L. G. oder L. v. A. kleinere literarische Arbeiten, Skizzen, Plaudereien und Rezensionen im "Kölner Tageblatt" und verschiedenen literarischen Zeitschriften.
1887
begleitet sie ihren Mann nach Paris
1888, Februar bis Mai
auf einer Reise durch Spanien bis
1889, Oktober 9
stirbt Louisens Schwester Anna in Wie
1889, Dezember
Nürnberg: Uraufführung von José Echegarays Drama: "Gesühnt" in der Übersetzung der Louise Asten.
1890
Louise wird in Barcelona zur Blumenkönigin der "Jocs florals" gekürt.
1890/1891
In dem Bestreben ein Autographenalbum aller bedeutenden lebenden Schriftsteller und Dichter anzulegen, verschickt Louise Fragebögen nach Deutschland, Österreich und Spanien, die unterschiedlich Anklang finden.
1892, September bis Dezember
Begleitet sie ihren Gatten auf einer Spanienreise und nimmt mit ihm an der Vierten Centenarfeier der Entdeckung Amerikas teil.
1893
Ist Louise anwesend bei der konstituierenden Versammlung zur Gründung der "Literarischen Gesellschaft", an deren Veranstaltungen sie bis zum Tode ihres Gatten regelmäßig teilnimmt. Nach dem Tode Fastenraths wird sie zum Ehrenmitglied ernannt.
In den folgenden Jahren übersetzt sie zwei Theaterstücke von José Echegary: "Lustiges Leben - trauriger Tod" und "Lisandro, der Bandit", aus dem Spanischen, wie auch Merke der Autoren: Luis Coloma, Fernanflor, Luis Alfonso und Narciso Oller.
1898, Oktober
Reise ins Heilige Land und Besuch der Heiligen Stätten in Jerusalem und Bethlehem.
1900
Wahl zur Königin auf den Blumenspielen in Zaragoza.
1901
Umzug der Familie ins Haus Neumarkt 3, wo Louise von da an jeden Nachmittag zum Tee empfängt und einen kleinen literarischen Cercle unterhält.
1903
Zählt Louise zu den Patronen des "Vereins Mädchengymnasium zu Köln".
1906, Dezember
erkrankt sie schwer an Magen- und Darmbeschwerden
1908, März 16
Tod von Johannes Fastenrath. Louise widmet ihr weiteres Leben der Erfüllung seiner Vermächtnisse. Sie erstellt die Statuten der von ihm gewünschten "Fastenrath-Stiftung" für Schriftsteller und behält sich Rat und Stimme im Kuratorium zur Vergabe der Stipendien vor.
April 15
Der Deutsche Schriftstellerverband ernennt sie zu seinem Ehrenmitglied
Mai 3
10. Blumenspiele, die Louise zu einer grandiosen Gedächtnisfeier für ihren verstorbenen Mann gestaltet, wie auch das auf ihre Bitten hin von Fritz Zilcken herausgegebene 10. Jahrbuch der Blumenspiele einzig seinem Andenken geweiht ist.
1908, Sommer
Auftrag an den Münsterbaumeister Ludwig Arntz, ein Marmorgrabmal zu entwerfen. Der Grazer Bildhauer Professor Hans Brandstetter soll dafür drei Marmorskulpturen entwerfen.
1909
zählt sie zu den Förderern des neu gegründeten Vereins "Frauenstudium, vormals Mädchengymnasium"
1910/1911
gibt sie "Aus spanischen Landen. Dichtungen aus Mexiko und Uruquay" heraus, nachgelassene Übersetzungen aus dem Spanischen von Johannes Fastenrath.
1910 - 1912
initiert sie in Madrid eine um alle in spanischen Zeitungen erschienenen Artikeln erweiterte Neuauflage von Fastenraths: "La Walhalla y las glorias de Alemania", die in 15 Bänden mit einem Vorwort von M. R. Blanco-Belmonte erscheint. Gleichzeitig macht sie sich an die Sichtung der literarischen Korrespondenz ihres Gatten, eine Aufgabe, die sie nicht zu Ende führen kann.
1911/1912
ernennt sie die spanische "Academia de la Poesia" zu ihrem Mitglied.
1912, Dezember 26
stirbt ihre Mutter Rosine Goldmann, geb. Hirschler im Alter von 94 Jahrer
1914, März 28 April 1
stirbt Louise an einem Gehirnschlag Beisetzung auf dem Alten Friedhof in Melaten unter großer Anteilnahme der Bevölkerung.
April 1
In ihrem Testament hatte sie die drei Kinder ihrer verstorbenen Schwester Anna zu ihren Universalerben eingesetzt. Der Stadt Köln vermachte sie 100 000 Mark: "damit von den Zinsen dieser Summe die Blumenspiele auch weiter alljährlich abgehalten werden können". Zudem legte sie der Stadt die Verpflichtung auf, eine Straße nach Johannes Fastenrath zu benennen und für sein Grabmal Sorge zu tragen.
Quellen:
HAStK 22/3/25
Abschrift des Testaments der Louise Fastenrath
HAStK 22/3/74
Akten über die Festlegung der Statuten der Fastenrath - Stiftung
HAStK Best.
47 - 52, Nr. 333, Bd. I - IV Akten über die Vergabe der Fastenrath-Stiftung mit verschiedenen eigenhändigen Schreiben von Louise
Lit.:
Fritz Zilcken: "In Memoriam" Frau Louise Fastenrath, in: Jahrbücher der Blumenspiele 16, 1914, S. 79 - 85; ders.: "Erinnerungen an Johannes und Louise Fastenrath", in: id., S. 113 - 129.
Nachrufe in der Presse (gedruckt: Jb 16, 1914, S. 99 -108), wobei vor allem hervorzuheben sind: E. Vely in: Danziger Zeitung, Ch. Francke-Roesing in der Kölner Frauenzeitung und M. R. Blanco-Belmonte in der "Ilustración Española y Americana".
Fri. 78; Pat 1, 20 u. 205.
2. Familie der Louise Fastenrath
III. Abkürzungsverzeichnis
Vgl. Best. 1032, Johannes Fastenrath; ergänzend wurden für Louise Fastenrath herangezogen:
Ba
Bader, Karl, Lexikon deutscher Bibliothekare im Haupt- und Nebenamt bei Höfen, Staaten und Städten in alphabetischer Reihenfolge (= Zentralblatt für Bibliothekswesen. Beiheft 55), Leipzig 1925
Fri
Friedrichs, Elisabeth, Die deutschsprachigen Schriftstellerinnen des 18./19. Jahrhunderts, ein Lexikon (= Repertorien zur Deutschen Literaturgeschichte Bd. 9), Stuttgart 1981
GEC
Gran Enciclopèdia Catalana, hrsg. v. Jordí Carbonell, 15 Bde., 1 Suppl. Band, Barcelona 1970 - 1983
Hab
Habermann, Klemmt, Siefkes, Lexikon deutscher wissenschaftlicher Bibliothekare 1925 - 1980 (= ...)
Kü Nekr. I
Kürschner, Deutscher Literatur Kalender Nekrolog 1901 - 1935, 1936, ND 1973
Kü Nekr. II
Kürschner, Deutscher Literatur Kalender 1936 - 1970, 1972/3
Pat
Pataky, Sophie, Lexikon deutscher Frauen der Feder, 2 Bde., Berlin 1898, ND Bern 1971
Das Repertorium wurde von Frau Voigt geschrieben.
Köln, den 18.09.1989, das Findbuch schrieb Ursula Vones
Oben rechts ist in Rot angegeben, wieviel Verzeichnungsnummern (Nr.) eine Lagerungseinheit (M.) bilden. Zur Vorlage im Lesesaal genügt auf dem Bestellzettel die Angabe der ersten Nr. einer Einheit für alle weiteren, die sie umfaßt.

Umfang:
2,30 m; 923 Akten