Pauels, Heinz (Best. 1411) Laufzeit: 1920-1985 Bestand (648 Verzeichnungseinheiten, 0 Einträge)

Pauels, Heinz, 1908-1985, Chordirektor, Leiter der Schauspielmusik bei den Bühnen der Stadt Köln, Komponist; Hoffmann-Pauels, Charlotte (1913-1995), Sopranistin am Opernhaus der Stadt Köln; Enthält u.a.: Notenmanuskripte zu Bühnen- und Ballettmusik, Opern, sinfonischen Werken, Konzerten, Kammermusik, Solo- und Chorwerken; Korrespondenz mit Künstlern, Musikern, Dirigenten, Intendanten, Kulturpolitikern, Journalisten und Redakteuren von Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehanstalten, u. a. Wilfried Brennecke, Köln, Otto Boden, Köln, Fritz Büchtger, Elisabeth Delseit, Claus Helmut Drese, Ernst Gärtner, München, Albrecht Prinz von Hohenzollern, Burg Namedy, Christoph Klöver, Bergheim, Werner Koch, Köln, Siegfried Köhler, Köln, Alfred Krings, Köln, Heinrich Lindlar, Bonn, Heinrich Lohmer, Köln, Kurt Neuffert, Heidelberg, Edgar Graf von Pelchrzim, Köln, Hans und Su Riemann, Helene Steffan, München, Otto Tomek, Baden-Baden, Alfred Trippner, Köln, Günter Wand, Bergisch Gladbach (ca. 1956-1984); Konzertprogramme, Faltblätter, Plakate, Zeitungsartikel; Fotografien zu Aufführungen, auch zur Mitwirkung seiner Ehefrau, der Sängerin Charlotte Hoffmann-Pauels.



1 Einleitung

1.1 Biographie

Heinz Pauels ist durch seine Schauspielmusiken für die Städtischen Bühnen Köln weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt geworden. Seine Komposition zu Else Lasker-Schülers Die Wupper brachte ihm Kompositionsaufträge etlicher deutscher Bühnen ein, und seine Ballettmusik zu Mardi gras erklang von Spanien über Griechenland bis in den Nahen Osten. Viele seiner Werke wurden schon kurz nach ihrer Entstehung vom Broadcasting-Orchestra unter Dante Fiorillo in den USA aufgeführt. Weit weniger bekannt als seine Bühnenmusiken ist sein kammermusikalisches Schaffen, welches in seinem Nachlaß reich vertreten ist.
Heinz Pauels wurde am 1. März 1908 als Kind des Pharmazeuten Heinrich Pauels und seiner Frau Aenne, geborene Jungmann, in Oberhausen geboren. Schon früh zeigte sich seine musi¬kalische Begabung, so daß der Umzug der Familie nach München für ihn ein Glückstreffer war: er erhielt im Alter von fünfzehn Jahren ein Stipendium der Akademie der Tonkunst und studierte dort Klavier und Komposition. Bereits mit sieb¬zehn Jahren machte er sein Examen. Anfang der dreißiger Jahre hatte er erste Kompo¬sitions¬erfolge: das Brunier-Quartett schrieb einen Wettbewerb für neue deutsche Streichquar¬tett-Literatur aus, den Heinz Pauels 1932 mit seinem Streichquartett op. 4 gewann.
Heinz Pauels war über 40 Jahre bei den Bühnen der Stadt Köln beschäftigt. Er begann dort 1932 als stellvertretender Chordirektor, wurde zum Chordirektor befördert und schließlich 1947 zum Leiter der Schauspielmusik ernannt. Große Erfolge in Köln, besonders mit den Schauspielmusiken zu "Die Wupper" und zu Garcia Lorcas "Sobald fünf Jahre vergehen", machten ihn zu dem rheinischen Bühnenmusikkomponisten.
Einen Namen errang Pauels in Köln auch dadurch, daß er kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs als unbelasteter Bürger (Pauels war weder Mitglied der NSDAP noch eines nationalsozialistischen Verbandes gewesen) von der britischen Besatzungsmacht die Erlaubnis erhielt, ein Orchester zu gründen. Er führte das Gürzenich-Orchester wieder zusammen und gab bereits im Juli des Jahres 1945 mit dem Orchester das erste Konzert vor britischen Soldaten, bald auch vor der Kölner Bevölkerung.
1936 lernte Heinz Pauels an der Kölner Oper die Sängerin Charlotte Hoffmann kennen, die er 1938 heiratete. Charlotte Hofmann-Pauels war als Sopranistin auf den Kölner Bühnen über Jahrzehnte allgegenwärtig. Zugleich ist sie wohl die universellste Sängerin, die Köln bis heute hatte. Zwischen Händel und Krenek kennt sie nicht nur die Standardrollen, sondern auch jede Repertoire-Nische. Zahllos sind die Uraufführungen, an denen sie teil hatte. In diesem Bestand findet sich auch manches sie betreffendes Zeugnis.
Heinz Pauels starb am 10. Februar 1985, populär und mißverstanden zugleich. "Die kompositorische Existenz ist fragwürdig geworden. Wie soll man heute komponieren? Progressiv sein, um die Stellung als Komponist zu verteidigen?" fragte er 1969 öffentlich und handelte sich den Ruf eines Konservativen ein, obgleich ihm wegen seiner Klangexperimente mit synthetischen Instrumenten oft das Gegenteil vorgeworfen worden war. Zum Schluß überwog der Traditionalist. "Als reifer Mensch mich ins Bett serieller Bastler zu legen, bin ich nicht geneigt".

1.2 Der Bestand
Der größte Wert des Nachlasses besteht im darin enthaltenen, überwiegend autographen Notenmaterial. An ihm läßt sich ermessen, wie sehr das Bühnentagesgeschäft dem Komponisten Werk auf Werk abforderte, aber auch, wie sehr es Pauels auch um anderen Werkgattungen, vor allem an klein besetzter Kammermusik ging. Während der Zeit, in der Heinz Pauels an den Bühnen der Stadt Köln beschäftigt war, entstanden über 100 Schauspielmusiken, von denen aber nicht alle erhalten sind bzw. in den Nachlaß Eingang fanden. Bedeutung erlangt haben aber auch einige Kammermusik-Werke, so das Streichquartett op. 4, sowie seine Instrumentalkonzerte und seine erste Sinfonie.
Ein Werkverzeichnis zusamengestellt von Dirk Mühlenhaus findet sich im Anhang zum Findbuch
Die Vollständigkeit der Noten ist sehr unterschiedlich. Die Partitu¬ren oder Kla¬vierauszüge der beiden Opern "Moll Flanders" (nach Daniel Defoe) und "Anna Kare¬nina" (nach Leo Tolstoi) sind vollständig erhalten. Die dritte Oper "Stella" (nach Johann Wolfgang von Goethe) ist Frag¬ment geblieben. Die Schauspielmusiken sind unter¬schiedlich überliefert; von manchen sind Parti¬tur, Klavierauszug und Einzel¬stimmen erhalten, von anderen nur das eine oder andere. Reichlich vorhanden sind musikalische Skizzen zu den Schauspielmusiken, in einigen Fällen kann man den Schaffensprozeß von den ersten Skizzen bis zur Reinschrift am Notenmaterial verfol¬gen.
In seinen erhaltenen Briefen findet sich neben sehr vielen familiären Inhalten mancher Niederschlag des Konflikts zwischen seinem klanglich progressiven und sei¬nem konstruktiv rückwärtsge¬wandten Denken. Er ist aber stets allgemein gehalten. Schlechter verfolgen läßt sich der konkrete Schaffensprozeß. Heinz Pauels erwähnt in den privaten Briefen selten einzelne Werke, noch weniger Fragen deren Erarbeitung. Die geschäftliche Korrespondenz beinhaltet überwiegend Auffüh¬rungs- sowie Auf¬zeichungsfragen und Drucklegungen der Werke.
Auffallend an der Überlieferung ist die geringe Zahl der Textbücher gegenüber den zahl¬reichen Kompositionen. Teilweise sind diese - wie auch Noten - einem Hoch¬wasser, das den Keller des Hauses Pauels überflutete, zum Opfer gefallen; viele werden sich bei den Bühnen befinden. Bei einigen Werken (Märchenspielen) sind die Text¬bücher auch in die Partitur eingeklebt.
Zahlreich sind auch die Zeitungskritiken zu den Aufführungen der Werke von Heinz Pauels und zu seiner Tätigkeit als Pianist, beginnend mit seinem ersten öffentli¬chen Konzert in München 1918, nach dem er von der Presse als Wunderkind gefeiert wurde. Erstaunlich ist, daß kaum ne¬gative Kritiken zu finden sind. Dabei waren einige Werke Heinz Pauels umstritten: so löste die Uraufführung des I. Klavierkonzertes, in dem Pauels viel mit Dodekaphonie arbeitet, einen musikalischen Skandal aus. Man muß deshalb davon ausgehen, daß dieser Teil des Nachlasses unvollständig ist; der Kompo¬nist hat eine Auswahl getroffen. Gleiches scheint für die Kritiken seiner Frau als Sän¬gerin zu gelten, die ebenfalls zum Nachlaß gehören.
Interessant ist die Sammlung von Konzert- und Schau¬spielplakaten, die Heinz Pauels angelegt hat. Es handelt sich dabei um Konzerte oder Theater¬stücke, in denen Werke von Heinz Pauels aufgeführt wurden, oder in de¬nen er als Dirigent mit¬wirkte. Bemerkenswert sind die Ankündigungen der ersten Kon¬zerte des Gürzenich-Orchesters nach dem Zweiten Weltkrieg, teilweise in englischer Sprache, da sie vor den Soldaten der briti¬schen Besatzungsmacht gegeben wurden.
Einige Erinnerungsstücke und persönliche Lebensdokumente runden den Bestand ab.

1.3 Übernahme, Ordnung und Verzeichnung

Der Nachlass von Heinz Pauels wurde von seiner Witwe Charlotte Hoffmann-Pauels der Stadt Köln am 18. April 1990 übereignet (vgl.AZ 412101-2 Best. 1411). Die Übernahme erfolgte in mehren Etappen zwischen 1990 und 1995 (ACC - 2394/95).
Der Hauptteil des Nachlasses, die überlieferten Noten, wurde nach den folgenden Werkgruppen erfaßt: Bühnenmusiken - Ballettmusiken - Opern - Sinfonische Musik/Orchesterwerke - Kam¬mermusik - Lieder. Innerhalb dieser Gruppen wurden sie in der vorgefundenen Folge verzeichnet.
Die Korrespondenz hat Pauels nach privaten und geschäftlichen Briefen so¬wie nach Glückwünschen zu Festtagen und Jubiläen getrennt in Mappen abgelegt und annähernd chronologisch geordnet. Obwohl sich der Inhalt der Mappen gelegentlich überschneidet, ist die ursprüngliche Ordnung beibehalten worden.

Die Plakate und die Textbücher wurden chronologisch aufgenommen.

Die Verzeichnung und Erschließung des Nachlasses erfolgte durch Beate Groth und Dirk Mühlenhaus, beide Studenten des Musik¬wissenschaftlichen Instituts der Universität zu Köln, im Rahmen eines Praktikums unter Anleitung von Robert von Zahn und Eberhard Illner. Herr Mühlenhaus erstellte auch das Werkverzeichnis.
Dankenswerterweise hat Herr Wolfram Ferber im Zusammenhang mit seinen Forschungen über die Kammeropern von Heinz Pauels auch den Tonbandbestand erschlossen. Die Kollationierung und Signierung führte Frau Natalia Kraus durch.


1.4 Benutzung

Der Bestand ist für wissenschaftliche und publizistische Zwecke frei benutzbar.
Sämtliche Aufführungsrechte verbleiben bei Frau Rahmann-Pauels, Maiblumenweg 9, 50127 Bergheim, Tel.: 02271 / 92637. Noten dürfen nicht kopiert werden.


1.5 Bestell- und Zitierweise

Best. 1411 und laufende Nr. im Findbuch.


Köln, Herbst 2000

Umfang:
6 Kartons