Stübben, Hermann Joseph (Best. 1114) Laufzeit: ca. 1860-1938 Bestand (67 Verzeichnungseinheiten, 0 Einträge)

Stübben, Hermann Joseph, 10.02.1845-08.12.1936, Stadtbaumeister in Aachen u. Köln, Geh. Oberbaurat, Vorsitzender der königl. Kommission für die Stadterweiterung in Posen; Enthält u.a.: Persönliche Papiere; Entwürfe u. Akten über Bauten; Briefwechsel

1. Lebenslauf
Hermann Joseph Stübben wurde am 10. Februar 1845 in Hülchrath, Kreis Grevenbroich, Regierungsbezirk Düsseldorf, geboren. Sein Vater Franz Joseph (1821-1900) war Holzhändler; die Mutter Sophie, geb. Wyrich, (1821-1897) entstammte einer Bauersfamilie aus dem Nachbardorf. Stübben war der Erstgeborene von 10 Kindern.
Nach dem Abitur in Düsseldorf begann Stübben 1864 ein Studium an der Berliner Bauakademie. 1871 wurde er nach bestandenem Examen zum Baumeister ernannt. Im selben Jahr heiratete Stübben Ottilie Wortmann (1845-1916); aus dieser Ehe gingen 5 Kinder hervor: Sophie, Hedwig, Ottilie, Oskar und Richard.
Stübben arbeitete zunächst bei der Bergisch-Märkischen Eisenbahngesellschaft in den Baubüros Elberfeld und Holzminden. 1876 wurde er als Stadtbaumeister nach Aachen berufen. Hier war Stübben mit der Modernisierung der nicht mehr zeitgemäßen Versorgungssysteme und Straßenzüge befaßt. Außerdem betreute Stübben die Planungen für die Anlage neuer Stadtviertel, den Bau eines Badehauses u. a. Profanbauten.
Zusammen mit dem Aachener TU-Professor Karl Henrici (1842-1927) wurde Stübben 1880 Preisträger im Planungswettbewerb für die Stadterweiterung von Köln. 1881 wurde er mit der technischen und planerischen Durchführung der Stadterweiterung beauftragt und zum Stadtbaumeister ernannt. Fast zwei Jahrzehnte gestaltete er mit großer Aktivität den Städtebau in Köln und führte die Stadterweiterung zu einer international beachteten und auch wirtschaftlich erfolgreichen Lösung. Für den Ausbau der Kanalisation, für die Neuanlage von Straßen außerhalb der Neustadt, aber auch für die Erhaltung alter Stadttore zeichnete er ebenfalls verantwortlich. Eine andere, wichtige Aufgabe war die Modernisierung der Hafenanlagen bis 1898. Außerdem errichtete Stübben im Privatauftrag auch in Köln einige Hochbauten, darunter das Hohenstaufenbad am gleichnamigen Ringstraßenabschnitt. 1889 erhielt er den Titel Stadtbaurat. 1891 wurde Stübben zunächst unbesoldeter, 1892 besondeter Beigeordneter. Im selben Jahr wurde er zum Baurat, 1892 dann zum Geheimen Baurat ernannt.
Im Alter von 53 Jahren schied Stübben 1898 aus den Diensten der Stadt Köln aus, behielt aber seinen Wohnsitz in Köln. Er wurde noch im selben Jahr Stadtverordneter (Nat. lib.) und arbeitete als Privatarchitekt. Außerdem war Stübben Mitglied des Vorstandes der Helios AG Köln-Ehrenfeld.
1904 siedelte Stübben nach Berlin über. Als Vorsitzender der königlichen Kommission für die Stadterweiterung in Posen war er bis 1920 preußischer Staatsbeamter. In Posen entstand unter seiner Verantwortung eine Ringstraße im Gelände der ehemaligen Festungsanlagen, die mit den Glacispromenaden verbunden war; zusätzlich wurde eine Gartenvorstadt angelegt. 1904 wurde Stübben Oberbaurat, 1910 Geheimer Oberbaurat. Während des Ersten Weltkrieges setzte sich Stübben engagiert für belgische Kriegsgefangene ein.
Nach der Übernahme Posens durch Polen mußte Stübben seine Arbeit dort aufgeben und lebte fortan in Münster/Westfalen. Von hier aus übernahm er noch einige wichtige stadtplanerische Aufgaben, u. a. für Bilbao und den Vatikan. Stübben starb hochgeehrt am 8. Dezember 1936 in Frankfurt a. M., wo damals seine Tochter Sophie Haehner lebte.
Stübben war ein Städtebauer von großer Schaffenskraft. Seit seiner Kölner Zeit hat er für rund 125 Städte in ganz Europa Erweiterungen entworfen und Bebauungspläne vorgelegt. Schwerpunkte seiner stadtplanerischen Arbeit lagen in Rheinland und Westfalen, Belgien, Luxemburg und dem Gebiet des heutigen Polen. Außerdem entwarf er etliche Hochbauten, öffentliche Gebäude und Kirchen.
Stübben hat bis ins hohe Alter sehr viel publiziert, darunter sein berühmtestes, in mehreren Auflagen und Sprachen erschienenes Werk "Der Städtebau". Außerdem war Stübben Mitglied in wichtigen in- und ausländischen Architekten- und Ingenieurvereinen und anderen Fachverbänden und wirkte hier an der Weiterbildung des Städtebaus und seines planungsrechtlichen Instrumentariums mit.
1904 war Stübben zum Dr.-Ing.e.h. der TH Karlsruhe und 1925 zum Dr. phil.h.c. der Wilhelms-Universität Münster promoviert worden.

2. Übernahme
Der Nachlaß Joseph Stübben wurde im April 1950 von Dr. Leo Schwering MdL (1883-1971) an das Historische Archiv der Stadt Köln abgegeben. Schwering hatte die Papiere von Dr. Alfred Haehner (1880-1949), seinem Schwager und Schwiegersohn Stübbens, erhalten. Das Historische Archiv bewahrt auch die Nachlässe von Schwering und Haehner auf (Bestand 1193 bzw. 1193 a).

3. Inhalt
Der Nachlaß umfaßt offenbar noch sehr viel von dem, was Stübben vor seinem Tod in Frankfurt a. M. an Dokumenten besaß. Er enthält außer Personalpapieren seine Unterlagen zur eigenen Arbeit und die Publizistik zum internationalen Städtebau.
Die persönlichen Papiere enthalten Privatkorrespondenz, Zeugnisse, Urkunden und Fotos von Stübben und seiner Familie bzw. einigen Freunden. Im Briefwechsel finden sich Hinweise zu aktuellen Tagesproblemen seiner Arbeit in Aachen, Köln etc., aber auch Aussagen zu grundsätzlichen Fragen der Urbanistik. 1932 hat Stübben einen Stammbaum seiner Familie erarbeitet. Besonders sorgfältig angelegt ist die Sammlung von Glückwünschen zum 70., 75., 80., 85. und 90. Geburtstag sowie von Kondolenzschreiben zum Tode Stübbens. Die umfangreiche Korrespondenz über den Einsatz für belgische Kriegsgefangene hat Stübben sorgfältig aufbewahrt. Schließlich verfasste er noch einige Artikel zu tagespolitischen Fragen.
Im Nachlaß ist Stübben auch als produktiver Verfasser etlicher Gelegenheitsgedichte zu erkennen.
Der Nachlaß enthält von Stübben verfasste, oft abgelegen erschienene Schriften, die bibliographisch schwer zu ermitteln und eine wichtige Ergänzung zu den einschlägigen Bibliographien und Handbüchern sind. Die praktische stadtplanerische Arbeit Stübbens für Städte in Belgien, Italien, Karlsbad, Spanien, Luxemburg, Rußland etc. wird durch Artikel (Zeitungsausschnitte), seine Fachkorrespondenz, Vortragsmanuskripte und Originalzeichnungen erschlossen. Sie zeigen die urbanistischen und planerischen Prinzipien Stübbens ebenso wie seine Auseinandersetzung mit der Stadtbaukunst seiner Epoche. Auch sein Engagement in Problemen des Baurechts bzw. der Städtebautheorie wird anhand der Unterlagen deutlich.
Im Nachlaß sind zahlreiche, von Stübben geschriebene Berichte und Analysen des internationalen Städtebaus sowie Reiseberichte und Rezensionen entweder als Zeitungsausschnitte oder als Manuskripte erhalten; oft sind noch Abbildungen und eigenhändige Zeichnungen hinzugefügt. Stübben war demnach auch mit der Geschichte des Städtebaus und der Architektur des Mittelmeerraumes vertraut. Im Nachlaß zeigt sich so seine profunde Kenntnis der Urbanistik sowohl fremder Länder als auch untergegangener Kulturen.

4. Ordnung
Der Nachlaß Stübben ging 1950 unter der Nr. 1114 in die Bestände des Historischen Archivs der Stadt Köln ein. Die ursprüngliche Ordnung wurde im Grundsatz belassen; die unübersichtlich in großen Bündeln vereinigten Zeitschriftenartikel (Belegexemplare) wurden thematisch (Stadtplanungen für einzelne Städte bzw. städtebauliche Sachfragen) geordnet.
Herr Oliver Karnau M. A. nahm dankenswerterweise die Mühe einer Verzeichnung der Einzelvorgänge auf sich. Dabei wurden die Korrespondenzpartner mit dem Kurzbetreff erfaßt; bei literarischen Beiträgen wurden die bibliographischen Angaben aufgenommen.
Da sich die Korrespondenzserien auf wenige Bände beschränken, ist auf ein spezielles Personenregister verzichtet worden. Stübbens Beiträge zu Sachthemen sind leicht in den "Themenmappen" greifbar.

Umfang:
2,00 m