Werth,Jean Graf von (Best. 1106) Laufzeit: 1632-1772 Bestand (237 Verzeichnungseinheiten, 0 Einträge)

Werth, Jean Graf von, 1591-1652, 1634 bayerischer Feldmarschall, 1643 General der Kavallerie, ab 1647 in kaiserlichen Diensten; Enthält u.a.: Persönliche Papiere, u.a. Beförderungsurkunden, Erhebung in den Freiherrnstand 1635, Kaufverträge, Besitzverhältnisse, Testament; ganz überwiegend Kriegskorrespondenz ab 1634, aber auch private Korrespondenz, u.a. mit dem Kaiser, den Landfürsten u. Militärs; angereichert durch Familienpapiere.

Best. 1106 113
Das Archiv des Jan von Werth
von E. Kuphal.
Fern seiner rheinischen Heimat hauchte am 12. September des Jahres 1652 auf dem Schlosse Benatek in Böhmen einer der bedeutendsten Reitergenerale des dreißigjährigen Krieges, Jan von Werth, sein Leben aus. Aufgewachsen in dem kurkölnischen Dorfe Büttgen bei Neuß entstammte er wohl den Kreisen wohlhabender wenn auch einfacher Landleute; seine Geburt fällt nach einer Aufschrift auf einem Gemälde in der Pfarrei Neersen in das Jahr 1591. Bei Beginn des dreißigjährigen Krieges trat er in eine spanische Reitertruppe, nach der Einnahme von Jülich (1622) wurde er Offizier. Seit 1630 erscheint er als Oberstwachtmeister im Dienste des Kurfürsten von Bayern, der ihn schon 1634 in Anerkennung der ihm und damit dem Kaiser geleisteten Dienste zum Generalwachtmeister zu Pferde und bald darauf zum Feldmarschalleutnant ernennt. Kaiser Ferdinand II belohnt Werths entscheidende Erfolge als Reiterführer in der Schlacht bei Nördlingen mit der Erhebung in den Freiherrnstand. Den größten Triumph erntete Werth mit seinem Einbruch in Frankreich (1636), wo er im Volksliede noch nachlebt ?qui fit pleurer le roi de France". 1637 eroberte er die von den Franzosen besetzt gehaltene Festung Ehrenbreitstein. Wie ein Ziethen aus dem Busch war er bald hier bald da - meistens jedoch dort, wo der Gegner es nicht wünschte. Auch Rückschläge blieben ihm nicht erspart. 1638 fiel er in die Hände Herzog Bernhards von Weimar, der ihn einem verständlichen Wunsche des französischen Königs entsprechend der Gewalt der Franzosen überließ; erst 1642 konnte er ausgewechselt werden. Als Kurfürst Maximilian von Bayern am 14. März 1647 zu Ulm für Bayern und Kurköln mit den Kronen Frankreich und Schweden Waffenstillstand schloß und so den Kaiser in eine peinliche Lage versetzte, versuchte Werth nach schweren Gewissenskämpfen die ihm unterstellten bayerischen Truppen dem obersten Kriegsherrn, dem Kaiser, zuzuführen. Der Versuch mißlang, Werth mußte vom Kurfürsten geächtet fliehen; er wurde vom Kaiser mit offenen Armen aufgenommen, der ihm die Herrschaft Benatek verlieh. Noch einmal mußte Werth für seinen undankbaren Kurfürsten eintreten, als er im Sommer 1648 im Auftrage des Kaisers die Schweden, die ganz Bayern überschwemmt hatten, mit seinem alten Kriegsgefährten Octavio Piccolomini verjagen sollte. Da beendete endlich der Friede von Münster und Osnabrück den drei Jahrzehnte währenden Krieg. So hat ein Reitergeneral, der buchstäblich weder lesen noch schreiben konnte (er vermochte lediglich seinen Namenszug hinzumalen), mit dem ehernen Griffel des Schwertes seinen Namen in die Geschichte geschrieben.
Mit Köln hat Jan von Werth mancherlei verknüpft. Hier lebten Verwandte von ihm, hier besaß er neben dem heutigen Gereonshaus eine größere Besitzung, in der er auch die Hochzeit mit seiner zweiten Gemahlin, einer Gräfin Spaur, festlich beging. Am festesten mit dem Herzen verknüpft ihn das jedem Kölner bekannte entzückende Gedicht von Jan und Griet: ?Zo Cöln em ahlen Kümpchenshof". Auf dem Altermarkt ist im Jahre 1884 sein Standbild errichtet worden.

Umfang:
0,60 m