Handschriften (GB fol.) (Best. 7002) Laufzeit: 12. Jh. - 18. Jh. Bestand (197 Verzeichnungseinheiten, 72810 Einträge)

Die Gymnasialbibliothek (GB) wurde 1798 gegründet. Sie sollte als Sammelbecken für Bibliotheksgut aufgelöster geistlicher Einrichtungen und Unterrichtsanstalten im Roer-Département dienen. Außer der Bibliothek der Abtei Gladbach wurden faktisch aber nur Bestände Kölner Einrichtungen übernommen. Dazu zählt die 1798 aufgehobene Universität mit den drei Gymnasien. Um 1800 wurden im Auftrag der französischen Departementsverwaltung die Bücher und Handschriften der Kölner Klöster in den Räumen der Zentralschule zusammengeführt. Die nach der Auflösung des Jesuitenordens (1773) beim Gymnasium Tricoronatum (Jesuitengymnasium) verbliebene ehemalige Jesuitenbibliothek bildete den Grundstock der Bibliothek der Zentralschule; sie enthielt auch zahlreiche Handschriften, obwohl die alten Bestände des Gymnasium Tricoronatum 1621 verbrannt waren. Auch die Bibliotheken des Gymnasium Montanun und des Gymnasium Laurentianum sind bald nach 1800 von der Zentralschule übernommen worden. Damals, 1801 oder 1802, wurden die Rücken vieler Kodizes mit bedruckten Schildern beklebt, die in französischer Sprache über die Provenienz Auskunft geben. Nachdem Köln 1815 eine preußische Stadt geworden war, trat an die Stelle der Zentralschule (1804 aufgelöst) und ihrer Nachfolgerin, einer Sekundärschule zweiten Grades (1805 eröffnet), das Kölnische Gymnasium (1815 eröffnet), das später den Namen Marzellengymnasium führte. Die Bibliothek der ehemaligen Zentralschule blieb als Gymnasialbibliothek erhalten. Im Jahre 1847 hat Heinrich Düntzer, der von 1846 bis 1885 als Bibliothekar die Gymnasialbibliothek betreute, einen Handschriftenkatalog erarbeitet. Spätestens damals sind die Handschriften nach Formaten in drei Gruppen geordnet und innerhalb der Gruppen gezählt worden. Diese Ordnung und Zählung ist in den heute geltenden Signaturen erhalten. Innerhalb der drei Formatgruppen gibt es keine systematische Ordnung, weder nach dem Inhalt noch nach Provenienzen. Die Auflösung der Gymnasialbibliothek im Jahre 1885 war das Ergebnis langjähriger Bemühungen, die großen Kölner Bibliotheken im Interesse der Benutzer zu vereinigen. Die gedruckten Bücher wurden der Stadtbibliothek (seit 1920 Universitäts- und Stadtbibliothek) übergeben; fast 700 Handschriften und etwa 250 Fragmente fielen dem Stadtarchiv zu. Nach der Übernahme des Bestandes durch das Stadtarchiv sind noch einige Handschriften dem GB-Bestand angegliedert worden. Die Signaturen der GB-Handschriften haben ihre äußere Form im Laufe der Zeit geändert. Wahrscheinlich 1885 oder bald danach hat der Archivassistent Leonard Korth Signaturen mit Bleistift in die Handschriften eingetragen; ihnen fehlt die Formatangabe: »n. 1« (für GB f° 1 oder GB 4° 1 oder GB 8° 1). Um 1890 bildete die Formatangabe den ersten Bestandteil der Signatur, z. B. »fol. G.B. No. 16«. Nachdem zunächst für die einzelnen Bestände Listen und Karteien angelegt worden waren, verfasste der Volontär Heinrich Kelleter zwischen 1894 und 1897 einen Gesamtkatalog. Nur mit Hilfe der Konkordanz ist für die einzelne Handschrift die zugehörige Beschreibung zu finden. Daher entstand bald der Wunsch nach Beschreibungen, die modernen wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Innerhalb der Reihe ?Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln wurde eine ?Sonderreihe: Die Handschriften des Archivs eingerichtet. Zuerst erschien: Karl Menne, Deutsche und niederländische Handschriften, Köln 1937. Krieg und Nachkriegszeit unterbrachen die Arbeiten an den Handschriften, nicht nur in Köln. Schließlich legte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) ein ehrgeiziges Programm zur Erfassung der handschriftlichen Überlieferung in deutschen Bibliotheken und Archiven auf. Mit Unterstützung der DFG trat Joachim Vennebusch 1972 ins Stadtarchiv ein und legte bis 2001 insgesamt 7 Bände vor. Nunmehr wich man ab von der Gliederung des Kelleter-Katalogs und folgte einer anderen Einteilung nach inhaltlichen und formalen Kriterien. Im Mittelpunkt stehen religiöse Texte, entsprechend der Provenienz der meisten Codices aus Klöstern, Stiften und Schulen (Band 1: Die theologischen Handschriften des Stadtarchivs Köln, Teil 1: Die Folio-Handschriften der Gymnasialbibliothek, Köln 1976; Band 2: Die theologischen Handschriften des Stadtarchivs Köln, Teil 2: Die Quart-Handschriften der Gymnasialbibliothek, Köln/Wien 1980; Band 3: Die theologischen Handschriften des Stadtarchivs Köln, Teil 3: Die Oktav-Handschriften der Gymnasialbibliothek, Köln/Wien 1983; Band 4: Die theologischen Handschriften des Stadtarchivs Köln, Teil 4: Handschriften der Sammlung Wallraf, Köln/Wien 1986; Band 5: Die theologischen Handschriften des Stadtarchivs Köln, Teil 5: Handschriften des Bestandes W* und Fragmente, Köln/Wien 1989; Band 6: Die homiletischen und hagiographischen Handschriften des Stadtarchivs Köln, Teil 1: Handschriften der Gymnasialbibliothek, Köln/Weimar/Wien 1993; Band 7: Die homiletischen und hagiographischen Handschriften des Stadtarchivs Köln, Teil 2: Handschriften der Sammlung Wallraf, Handschriften des Bestandes W*, Fragmente, Köln/Weimar/Wien 2001). Einen bedeutenden Komplex beschrieb schließlich Juliane Trede, dieser Band wird in der Sonderreihe als Band 8 gezählt (Band 8: Die juristischen Handschriften des Stadtarchivs, Köln 2005). Die Bandzahl 9 der Sonderreihe ist nicht belegt.
Die Aufteilung der Bestände nach Format und entsprechende Eingliederung der Formatangaben in die Signatur führte gelegentlich sogar zu Missverständnissen. Die Bezeichnung der Bestände nach dem Format wurde deswegen aufgehoben. Die Handschriften der GB befinden sich nun in den Beständen 7002, 7004 und 7008. Der Bestand 7002 mit insgesamt 195 Verzeichnungseinheiten in der internen Datenbank des HAStK umfasst Handschriften mit der Gesamtlaufzeit 12. - 18. Jahrhundert. Er beinhaltet sowohl alle von Kelleter als auch in der Sonderreihe der Mitteilungen beschriebene Handschriften.
Der Kelleter-Katalog wurde abgeschrieben, seine Anordnung (Altsignaturen - formale Beschreibung - Inhaltsbeschreibung) beibehalten; gelegentlich wurden sehr lange Zitate des Incipit und Explicit der Texte gekürzt. Aufgenommen wurden ferner Ergänzungen und Nachträge von Literatur, die für einzelne Codices je nach Beachtung durch die Forschung recht umfangreich ausfallen. Anhand der Handschrift konnten zahlreiche Nachträge bestimmten Mitarbeitern des Stadtarchivs zugeordnet werden. Besonders oft ist die Hand des früheren Archivdirektors (1889-1927) Hermann Keussen zu finden sowie die Nachträge der langjährigen Mitarbeiter Joachim Vennebusch und Joachim Deeters. Die in der Sonderreihe erfassten Handschriften wurden in die Datenbank des HAStK retrokonventiert.


Umfang:
195 Nrr.
Abg-Stelle:
Depositar: Dauerleihgabe des Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds

Nicht zugeordnete nutzergenerierte Einträge (176)

Hierbei handelt es sich um von Nutzern hochgeladene Einträge, die diesem Bestand, aber keiner konkreten Verzeichnungseinheit zugeordnet wurden.