Stadt Ehrenfeld (Best. 863) Bestand (223 Verzeichnungseinheiten, 0 Einträge)

1. Verwaltungsbezirk und Verwaltungsaufbau
Bis zur Gründung der vom Kölner Antiquar Franz Kreuter angeregten Baugesellschaft 1845 und den im gleichen Jahr begonnenen Bauarbeiten an der Venloer Straße hatte es im Ehrenfelder Raum nur drei Siedlungsansätze gegeben, nämlich den Subbelrather Hof, den Mechternhof und das Ziegelfeld. Die Gründung von Ehrenfeld war so erfolgreich, das Wachstum des
Ortes so stark, daß etwa 20 Jahre später, und zwar zum 1. Januar 1867, Ehrenfeld und Subbelrath zu einer Spezialgemeinde ?Ehrenfeld" zusammengefaßt wurden. Damit bestand die Bürgermeisterei Müngersdorf aus den beiden Spezialgemeinden Müngersdorf und Ehrenfeld. Aber schon seit der Übernahme der Verwaltungsgeschäfte durch Christian Josef Leopold Schult 1859 war der Amtssitz der Bürgermeisterei von Müngersdorf nach
Ehrenfeld, dem Wohnsitz des neuen Bürgermeisters, verlegt worden. Ab dieser Zeit fanden auch die Gemeinderatssitzungen in Ehrenfeld statt.
Nach mehrjährigen Bemühungen von Rat und Verwaltung der Gemeinde Ehrenfeld erfolgte 1875 die Erhebung in den Stand der Städte. Mit der Verleihung der Städteordnung am 8. Oktober 1879 schied Ehrenfeld endgültig aus dem Bürgermeistereiverband Müngersdorf aus. Dennoch wurde die Verwaltung beider Gemeinden bis zum Mai 1884 in Personalunion durch den Bürgermeister von Ehrenfeld ausgeführt. Mit der Einführung des neuen Bürgermeisters für Müngersdorf hörte diese gemeinsame Verwaltung auf.
Die Eingemeindung nach Köln zum 1. April 1888 beendete die kommunale Selbständigkeit der Stadt Ehrenfeld.

2. Bürgermeister, Beigeordnete, Gemeindeempfänger, -baumeister,
-Sekretäre

Bürgermeister
Hugo Jesse
1880-1888

Beigeordnete
Wilhelm Hackländer
1880-1888

(ab 1881 1. Beigeordneter)
Philipp Hoffmann
1881-1888

(2. Beigeordneter)

Gemeindeempfänger

Bartholomäus Hembach
1871-1664

August Stange
1884-1888

Gemeindebaumeister

Wilhelm Erdelmann
1878-1883

August Mitschke
1884-1888

Gemeinde Sekretäre
Carl Rausch
1880-1882

Heinrich Fuchs
1883-1888

3. Aktenführung und Verbleib der Akten
Trotz Ausscheidens der Stadt Ehrenfeld aus dem Bürgermeistereiverband Müngersdorf 1879 blieb die Registratur davon unberührt. Die Personalunion der beiden Verwaltungen erforderte eine einheitliche Aktenführung und gemeinsame Registratur. Erst mit der Auflösung des Bürgermeistereiverbands
und dem Einsetzen eines eigenen Bürgermeisters für Müngersdorf am 23. Mai 1884 wurde eine Aufteilung der Akten notwendig, da nun auch die Verwaltungssitze örtlich getrennt waren. Die Aufteilung der Akten erfolgte nach dem Grundsatz, daß Müngersdorf die seinen Bezirk betreffenden Spezialakten übernahm, während alle übrigen Akten in Ehrenfeld verblieben1). Damit erhielt die Stadtverwaltung Ehrenfeld auch Akten zu ihrem Verwaltungsbezirk, die bereits vor der Zeit der Stadtwerdung entstanden und - in einigen wenigen Fällen - auch schon abgeschlossen waren. Das hat zur Folge, daß der Bestand Ehrenfeld (863) Akten enthält, die für die frühe Geschichte der Bürgermeisterei Müngersdorf wichtige Hinweise geben können. Die Serie der Protokolle des Samtgemeinderats wurde im Bestand Müngersdorf (880) belassen. Erst die mit der Einrichtung der Spezialgemeinde Ehrenfeld 1867 entstandenen Protokolle des
Gemeinderats Ehrenfeld sind im vorliegenden Bestand zu finden.
Die mit der Trennung der Amtssitze in Ehrenfeld und Bickendorf durchgeführte Aufteilung der Akten brachte für Ehrenfeld eine neue Aktenordnung. Es wurden Aktendeckel mit dem Aufdruck ?Stadt Ehrenfeld" beschafft, aber auch die älteren, mit ?Bürgermeisterei Ehrenfeld" bedruckten Aktendeckel wurden weiterverwendet. Zum großen Teil begnügte man sich mit der Durchstreichung der Hinweise auf die Müngersdorfer Herkunft und mit handschriftlicher Korrektur. Ein neuer Aktenplan mit dreigliedrigem Signatursystem wurde eingeführt. Mit der Eingemeindung von Ehrenfeld zum 1. April 1888 gelangten die Akten, soweit sie für die laufenden Verwaltungsgeschäfte nicht mehr benötigt wurden, in das Verwaltungsarchiv. Der sicherlich größere Teil wurde an die einzelnen städtischen Dienststellen abgegeben. Von hier gelangten sie in den nächsten Jahrzehnten in verschiedenen Ablieferungen an das Archiv, wo erstmals in den 20er Jahren eine Bestandsbildung vorgenommen wurde, der
in den 60er Jahren ein 2. Schritt folgte.

4. Inhalt und Klassifizierung des Bestandes
Die Akten umfassen den Zeitraum von 1825 bis 1897. Sie gehen also über die Gründung Ehrenfelds und die Eingemeindung weit hinaus. Die älteren Vorgänge entstanden im Rahmen der alten Bürgermeistereiverwaltung, wurden aber fast durchgehend in Ehrenfeld weitergeführt. Bei der Ordnung und Gliederung konnte die alte Registratur der Stadtverwaltung Ehrenfeld nicht rekonstruiert werden. Der Aktenplan war nicht mehr vorhanden. In der verbleibenden kurzen Zeit der Selbständigkeit von
1884-1888 scheinen sich bei einigen geplanten Aktengruppen noch gar keine AktenVorgänge gebildet zu haben. Durch spätere Abgaben an die Polizeiverwaltung, nämlich den
Polizeipräsidenten in Köln, auch durch Kriegsverluste, sind Lücken entstanden. So lassen sich Angaben über die Vollständigkeit des vorliegenden Bestandes nicht machen. Die Lücken wiederum verhinderten eine Rekonstruierung des Aktenplanes. Dennoch werden in einem Lesesaalexemplar zu den einzelnen Akten die entsprechenden Altsignaturen vermerkt, um dem Benutzer Hinweise auf mögliche Aktenzusammenhänge
zu geben.

Anmerkungen
1) Best. 880, Nr. 71

Literatur
Henriette Meynen, Die Wohnbauten im nordwestlichen Vorortsektor Kölns mit Ehrenfeld als Mittelpunkt. Bauliche Entwicklung seit 1845. Wechselbeziehung von Baubild und Sozialstruktur (Rheinisches Archiv Bd. 104), Bonn 1978
Hanns Peter Neuheuser, Die Erhebung der Gemeinde Ehrenfeld in den Stand der Städte, in: Jahrbuch des Kölnischen Geschichtsvereins, Köln 1984, Bd. 55, S.155-182
Heinrich Rösger, Ehrenfeld. Vorort von Köln. Ehrenfeld 1868
Gerhard Wilczek, Ehrenfeld einst und jetzt (Beiträge zur kölnischen Geschichte, Sprache, Eigenart, hrsg. v. Heimatverein Alt-Köln, Bd. 48), Köln 1967
Ders., Ehrenfeld. Bilder von damals und heute. Mit Ossendorf, Bickendorf, Bocklemünd- Mengenich und Vogelsang, Köln 1983