Bürgermeisterei Müngersdorf (Best. 880) Bestand (244 Verzeichnungseinheiten, 2 Einträge)

Einleitung
1. Verwaltungsbezirk und Verwaltungsaufbau
Das Gebiet der späteren Bürgermeisterei Müngersdorf war bis zum Ende des Alten Reiches erzstiftisches Territorium und unterstand verwaltungsmäßig dem Amt Hülchrath. Die lokalen Verhältnisse bestimmten einige Unterherrschaften, wie z. B. das Hauptgericht Esch, die alte Erbvogtei, die Herrlichkeiten Müngersdorf und Ossendorf. Nach dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen wurde der gesamte Bereich um Müngersdorf dem 3. und 4. Kanton der insgesamt 7 das Erzstift erfassenden neuen Verwaltungsbezirke zugeschlagen, die alle der Bezirksregierung in Bonn unterstanden. Mit der Einteilung der von Frankreich besetzten rheinischen Länder
in Departements 1798 wurden die Kantonsbezirke völlig neu gestaltet. Müngersdorf kam zu dem Kanton Weiden. Zwei Jahre später verloren sie mit dem Gesetz vom 17. Februar 1800 ihre bisherige starke verwaltungsorganisatorische Bedeutung gegenüber den neu eingerichteten Arrondissements und Mairien. Bis zur konsularischen Bestätigung der rheinischen Mairien im Jahre 1802 dürfte auch die Mairie Müngersdorf entstanden sein.
Die verwaltungsorganisatorische Zusammenfassung von Müngersdorf und benachbarten Gemeinden zu einer Mairie, einem unteren Verwaltungsbezirk, wurde von Preußen übernommen, so durch die am 20. April 1816 in Kraft getretene Verwaltungsneugliederung der preußischen Gebiete am Rhein. Die Bürgermeisterei Müngersdorf gehörte nun zum Landkreis Köln im Regierungsbezirk Köln. Sie umfaßte die Orte Bickendorf, Bocklemünd, Mengenich, Müngersdorf und Ossendorf und die Höfe Haus Mechtern, Melaten, Morsdorfer Hof und Hof Subbelrath.
Ab 1845 verdichtete sich die Bevölkerung der Bürgermeisterei durch die Ansiedlung im Ehrenfelder Raum. Unter dem 1859 eingeführten Bürgermeister Christian Schult wurde der Amtssitz nach Ehrenfeld verlegt. Am 14. September 1863 beschloß der Gemeinderat, die beiden Ortschaften Ehrenfeld und Vornippes zu einer Spezialgemeinde innerhalb der Bürgermeisterei Müngersdorf zusammenzufassen. Aber durch Kabinettsordre vom 7. April 1866 wurde Vornippes aus der Bürgermeisterei Müngersdorf aus- und in die Bürgermeisterei Longerich eingegliedert. Ehrenfeld und Subbelrath wurden mit Wirkung vom 1. Januar 1867 zu einer Spezialgemeinde erhoben. Sie
wurde in Personalunion vom Bürgermeister von Müngersdorf verwaltet. Mit dem Ausscheiden Ehrenfelds aus dem Bürgermeistereiverband im Jahre 1879 wurde nun die Restbürgermeisterei für die nächsten Jahre in Personalunion
vom Bürgermeister der Stadt Ehrenfeld verwaltet. Erst 1884 wurde
diese Personalunion aufgehoben. Die Bürgermeisterei erhielt wieder einen eigenen Bürgermeister mit Amtssitz in Bickendorf. Mit der Eingemeindung nach Köln zum 1. April 1888 erlosch die Selbständigkeit der Bürgermeisterei Müngersdorf.

2. Bürgermeister, Beigeordnete, Gemeindeempfänger, -baumeister und
-Sekretäre

Gesamte Bürgermeisterei bis 1879/80

Bürgermeister
Mathias Klein 1808-1836
Franz Andreas Klein 1837-1846
Tillmann Klein 1846-1847
(kommissarisch)
Jakob Theodor Iven 1847-1849
Peter Josef Felten 1850-1851
(kommissarisch)
Carl Theodor Felten 1851-1858
Christian Schult 1859-1878
Wilhelm Hackländer 1878-1880
(kommissarisch)

Beigeordnete
1. Beigeordneter
Mathias Becker ?-1843
Peter Joseph Felten 1843-1849
Everhard Stein 1849
Louis Päffgen 1850
Hermann Josef Büttgen 1851-1857
Jakob Päffgen 1857-1859
Adam Esch 1859-1863
Heinrich Küpper 1863-1866
Carl Bubenheim 1866-1874
Wilhelm Hackländer 1874-1880

2. Beigeordneter
Peter Joseph Felten ?-1843
Tillmann Klein 1843-1846
Adam Esch 1853-1859
Jakob Päffgen 1859-1875
Theo Tillmann 1876-1880(?)

3. Beigeordneter
Werner Grouven 1846-1852
Everhard Stein 1857-1875
Johann Finger 1876-1880

4. Beigeordneter
Heinrich Bolder 1850-1866(?)
Johann Rodenkirchen 1866-1872
Peter Joseph Hoitz 1872-1878(?)

Gemeindeempfänger
Engelbert Grouven 1849
Hermann Kämmerling 1849-1861
Barthel Hembach 1861-1884

Gemeindebaumeister
Wilhelm Erdelmann 1877-1883

Gemeindesekretäre
Aloys Schumacher 1873-1874
Carl Hohns 1875-1876
Carl Rausch 1876-1882

Restbürgermeisterei ab 1880
Bürgermeister
Hugo Jesse 1880-1884
(Bürgermeister v. Ehrenfeld)
Johann Jakob Brinck 1884-1888

Ortsvorsteher
Johann Finger 1875-1884
Franz Peter Flecken 1882-1884
(Stellvertreter)

1. Beigeordneter
Theo Tillmann 1876-1881
Johann Finger 1882-1888

2. Beigeordneter
Johann Finger 1876-1882
Peter Niedecken 1882-1888

Gemeindeempfänger
Barthel Hembach 1861-1884
Robert Berger 1885-1887
(interimistisch)
Friedrich Esser 1887-1888

Gemeindebaumeister
Wilhelm Erdelmann 1884-1888

Gemeindesekretär
M. Henner 1884(?)-1888


3. Aktenführung und Verbleib der Akten
Über die Registratur und Aktenführung der Bürgermeisterei Müngersdorf lassen sich für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts kaum nähere Angaben machen. Alte Aktenzeichen sind nicht vorhanden. Frühe Aktendeckel ließen sich nicht ermitteln. Es ist anzunehmen, daß die Aktenführung Mitte des Jahrhunderts sehr chaotisch war; denn die Bürgermeistereien Efferen, Müngersdorf und Lövenich wurden zeitweise unter den Bürgermeistern Franz Andreas Klein und seinem Bruder Tillmann Klein in Personalunion geführt. Ein Nachfolger, Carl Theodor Felten, war gleichzeitig Bürgermeister von Müngersdorf und Lövenich. Bei dieser Belastung und dem kaum vorhandenen Büropersonal ließ sich eine regelmäßige, geordnete Aktenablage nicht verwirklichen. Erst um die Mitte der 50er Jahre ist eine erste Registraturordnung zu erkennen. Aktendeckel mit dem Vordruck ?Bürgermeisterei-Registratur Müngersdorf und zweigliedrige Aktensignaturen mit römischen und arabischen Zahlen wurden verwandt. Für die 70er Jahre ist eine zweite Registraturschicht zu erkennen mit neuen Aktendeckeln (Aufdruck: ?Bürgermeisterei Müngersdorf) und zweigliedrigen, rein arabischen Signaturen. Da sie den frühen Signaturen nicht entsprechen und andere Aktengruppen bezeichnen, muß angenommen werden, daß damals ein neuer Aktenplan aufgestellt und eine Registraturneuordnung vorgenommen wurde. Eine dritte Registraturschicht liegt 1885/86, nach Beendigung der Personalunion mit Ehrenfeld, vor. Nach Verfügung der Regierung vom 12. Dezember 1885 (1) erhielt das Bürgermeisteramt Müngersdorf nur die seinen Amtsbereich betreffenden Spezialakten, während die übrigen Ehrenfeld betreffenden
wie auch die allgemeinen Vorgänge in Ehrenfeld verblieben.
Nach Aushändigung der Akten wurde in Müngersdorf eine neue Registratur mit neuen Aktendeckeln (?Regierungsbezirk Cöln - Landkreis Cöln - Bürgermeisterei-Registratur Müngersdorf) und dreigliedriger Aktensignatur (römische und arabische Zahlen) aufgebaut.
Mit der Eingemeindung von Müngersdorf nach Köln zum 1. April 1888 gelangten die Akten, soweit sie für die laufenden Verwaltungsgeschäfte nicht mehr benötigt wurden, in das Verwaltungsarchiv. Der sicherlich größere Teil wurde den zuständigen städtischen Dienststellen übergeben. Vom
Verwaltungsarchiv wie der Verwaltung selbst gelangten die Akten in den folgenden Jahrzehnten und in zahlreichen Ablieferungen in das Archiv. Hier wurde in den 20er Jahren ein erster Schritt zur Bestandsbildung unternommen, dem in den 60er Jahren ein weiterer Versuch folgte.

4. Inhalt und Klassifizierung der Akten
Die Akten umfassen einen Zeitraum von 1760-1904. Der Grundsatz, nach dem die Registratur 1884 getrennt worden war, hat große Nachteile für Inhalt und Umfang des vorliegenden Bestandes. Denn ein beträchtlicher Teil der Altakten, die in Ehrenfeld verblieben, dokumentieren viel stärker die
Verwaltung der alten Bürgermeisterei als die der neuen Stadt. In Ehrenfeld haben sie z. T. nur einen geringen Zuwachs erfahren. Dennoch wurden diese Akten nicht in den vorliegenden Bestand eingegliedert, da auch diese Entscheidung kaum zu einer klareren Abgrenzung zwischen beiden Beständen geführt hätte. Der Benutzer, der über die Bürgermeisterei Müngersdorf arbeiten
will, wird also unbedingt auch den Bestand Ehrenfeld (863) heranziehen müssen.
Der vorliegende Bestand Müngersdorf (880) bildet nur noch den kleineren Rest der ehemaligen Bürgermeisterregistratur. Einiges Aktengut liegt - wie gesagt - im Best. Ehrenfeld (863). Verluste sind eingetreten durch frühere Verwaltungsumzüge in der Bürgermeisterei selbst, dann durch Abgaben an den Polizeipräsidenten Köln, der damals noch für große Bereiche der früheren umfassenden Polizeiverwaltung zuständig war, schließlich durch Kriegsverluste in den städtischen Nachfolgebehörden. Genauere Angaben über die Vollständigkeit des Best. Müngersdorf (880) lassen sich kaum machen.
Bei der Ordnung und Verzeichnung des Bestandes konnte die alte Registratur nicht rekonstruiert werden. Keiner der früheren Aktenpläne hatte sich erhalten. Es gab zu viele Verwerfungen zwischen den verschiedenen Registraturschichten und Störungen durch den Registraturaufbau der Stadt Ehrenfeld, als daß der ermittelte Aktenplan die Grundlage für eine Neuordnung
hätte abgeben können. So wurde der Bestand nach einer einheitlichen Gliederung geordnet. Einem Lesesaalexemplar werden die ermittelten Aktenzeichen den Akten beigefügt, um dem Benutzer Hinweise auf mögliche Aktenzusammenhänge zu geben.

Anmerkungen
1) Best. 880, Nr. 71

5. Literatur
Hans Clemens, Müngersdorf im Spielge der Geschichte. (Beiträge zur kölnischen Geschichte,
Sprache, Eigenart, Bd. 503, Köln 1968)

Umfang:
5,00 m, 246