Bürgermeisterei Vingst (Best. 884) Bestand (169 Verzeichnungseinheiten, 0 Einträge)

Einleitung

1. Verwaltungsbezirk und Verwaltungsaufbau
Mit der Verleihung der Städteordnung 1881 schied die Stadt Kalk aus dem bisherigen Bürgermeistereiverband aus. Die verbleibenden Gemeinden Poll und Vingst bildeten nun eine eigene Bürgermeisterei, die die Bezeichnung ?Landbürgermeisterei Kalk" erhielt (1). Sie wurde in Personalunion vom Bürgermeister der Stadt Kalk und von zwei Beigeordneten verwaltet, die eigens für die Landbürgermeisterei bestellt wurden.
Als am 1. April 1888 die Gemeinde Poll nach Köln eingemeindet wurde, blieb Vingst als einzige Gemeinde der Bürgermeisterei übrig. Die mit Kalk bestehende Personalunion wurde erst am 1. April 1900 aufgehoben. Die alte Landbürgermeisterei, die durch Verfügung vom 25. Juli 1900 in ?Bürgermeisterei Vingst" umbenannt wurde (2), erhielt jetzt eine eigene Verwaltung
mit Sitz in Vingst.
Sie war zunächst in zwei gemieteten Räumen untergebracht, bis am 1. April 1901 das neue Rathaus bezogen werden konnte. Mit der Eingemeindung am 1. April 1910 erlosch die Selbständigkeit der Bürgermeisterei Vingst.

2. Bürgermeister, Beigeordnete, Gemeindeempfänger, -baumeister und -sekretäre

Bürgermeister
Aloys Thumb 1882-1900
Aloys Kuth 1900-1910
(Die Amtsgeschäfte der Landbürgermeisterei Kalk wurden von 1880-1882 von dem 1. Beigeordneten der Stadt Kalk, Dr. Bernhard Harling kommissarisch geführt.)

Beigeordnete
1. Beigeordneter
Karl Pfeifer 1882-1899
Sebastian Kürten 1900-1910
2. Beigeordneter
Georg Klein 1882-1887
Jacob Limbach 1888-1898
Sebastian Kürten 1898-1900
Peter Löffelsend 1901-1910

Gemeindeempfänger
August Henderichs 1870-1902
Henderichs junior 1902
Wilhelm Engels 1902-1910

Gemeindebaumeister
Conrad Hämmerling 1900-1910

Gemeindesekretäre
Karl Stendel 1867-1900
Josef Boden 1900-1901
Walter Seibert 1901-1909

3. Aktenführung und Verbleib der Akten
Nach der Stadterhebung von Kalk wurde für die Landbürgermeisterei eine eigene Registratur angelegt, in die auch Schriftgut der alten Bürgermeisterei, sofern es die Landgemeinden Poll und Vingst betraf, aufgenommen wurde.
Die Akten der Landbürgermeisterei Kalk waren fadengeheftet. In der Bürgermeisterei Vingst verzichtete man auf die zeitraubende Fadenheftung und führte Schnellhefter ein, die ein rasches Ablegen der Akten ermöglichten. Beide Verwaltungen unterschieden zwischen General- und Spezialakten.
Die Registraturen waren mehrstufig gegliedert. Die alten Signaturen, die sich aus einer römischen Zahl für die Hauptgruppe, einem Buchstaben für die Gruppe und einer arabischen Zahl für die laufende Zählung der Akten zusammensetzten, finden sich auf den Aktendeckeln und meist auch auf den Schriftstücken selbst wieder.
Nachdem am 1. April 1900 für die Landbürgermeisterei Kalk eine eigene Verwaltung in Vingst eingerichtet worden war, wurden sämtliche Akten in der Zeit vom 31. 03. bis 14. 04. 1900 an den Bürgermeister in Vingst abgegeben (3).
Mit der Eingemeindung 1910 gelangten die Akten der Bürgermeisterei Vingst an die Stadt Köln, wo sie auf die zuständigen Dienststellen verteilt und mit neuen Signaturen versehen wurden. Ein Großteil der Polizeiakten sowie Unterlagen zur Invalidenversicherung übernahm der Kölner Polizeipräsident.
Vermerke über den Verbleib der Akten enthält ein Aktenverzeichnis, das im vorliegenden Bestand unter Nr. 7 erhalten ist. Dem Stadtarchiv sind die Akten der Bürgermeisterei Vingst zu verschiedenen Zeiten übergeben worden, teils über das Verwaltungsarchiv, teils durch Ablieferungen einzelner städtischer Dienststellen.
Erstmals am 12. August 1915 wurden 6 Kassenbücher und Belege, die allerdings nicht mehr zu ermitteln waren, übernommen (4). Weitere 43 Akten, die mit dem Tag der Eingemeindung nach Köln abgeschlossen waren, gelangten am 19. Mai 1922 ins Stadtarchiv (5). Die restlichen Akten sind später über die
einzelnen Registraturen ins Archiv gekommen.

4. Inhalt und Klassifizierung des Bestandes
Das vorliegende Verzeichnis umfaßt Akten, die sich in verschiedenen Archivbeständen als Schriftgut der alten Landbürgermeisterei Kalk und Bürgermeisterei Vingst ermitteln ließen. Von der Aufstellung in zwei getrennten Beständen ist aus folgenden Gründen Abstand genommen worden:
1. Beide Aktenbestände sind nicht sehr umfangreich.
2. Die Akten der Landbürgermeisterei Kalk, die seit 1888 ohnehin nur noch aus der Gemeinde Vingst bestand, wurden von der Bürgermeisterei Vingst übernommen und zum größten Teil fortgeführt.
3. Mit der Zusammenlegung der Bestände ließ sich eine weitere Aufsplitterung der Akten der Landgemeinden Kalk, Poll und Vingst, die sich zu einem Teil auch in den Beständen 860 Deutz und 864 Kalk befinden, vermeiden.
Die Hauptmasse der Akten stammt aus dem Altbestand 435 Kalk und dem Bestand 403; ein Großteil der Vingster Akten lag in drei Archivkartons verpackt und unverzeichnet im Magazin. Die Überlieferung setzt in einzelnen Fällen schon in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts ein und endet - von wenigen Ausnahmen abgesehen - im Jahr 1910. Den ursprünglichen Umfang der
schriftlichen Dokumentation der Landbürgermeistereien Kalk und Vingst lassen die 1900 und 1910 erstellten Aktenverzeichnisse erkennen (6).
Nicht aufgeführt in diesen Listen, aber erhalten, sind die Protokolle des Gemeinderates von Poll - bis auf die der Jahre 1884-1888 -, des Gemeinderates von Vingst sowie der Vingster Kommissionen. Einige, die Gemeinde Poll betreffende Akten unterschiedlichen Inhalts, die sich nicht nach Betreffen
einordnen ließen, werden am Schluß des Verzeichnisses aufgeführt.
Die Signaturen der alten Registraturen sowie die Altsignaturen des Vorbestandes wurden in einem Lesesaalexemplar unter dem jeweiligen Aktentitel angegeben. Akten ohne Signaturen wurden sinngemäß an den entsprechenden Stellen eingeordnet. Dieses Exemplar enthält auch die alten Aktenpläne, mit deren Hilfe sich der Benutzer Einblick in die ehemaligen Registraturverhältnisse
verschaffen kann.

Anmerkungen
(1) Amtsblatt der Kgl. Regierung zu Coin, Jg. 1881, Nr. 299, S. 130.
(2) Aloys Kuth, Die Gemeinde Vingst in ihrer Entwicklung bis zur Vereinigung mit Cöln am 1. April 1910 unter besonderer Berücksichtigung der letzten 10 Jahre, Vingst 1910, S. 104
(3) Best. 864, Nr. 46
(4) Best. 1/30/2, S. 207
(5) Best. 1/30/2, S. 287 und 289
(6) Best. 864, Nr. 46; Best. 8/3/35, S. 254ff. und Best. 884, Nr. 7

Literatur
Heinrich Bützler, Geschichte von Kalk und Umgebung. Bilder aus alter und neuer Zeit, Kalk 1910
Aloys Kuth, Die Gemeinde Vingst in ihrer Entwicklung bis zur Vereinigung mit Cöln am 1. April 1910 unter besonderer Berücksichtigung der letzten 10 Jahre, Vingst 1910
Peter Simons, Illustrierte Geschichte von Deutz, Kalk, Vingst und Poll. Ein Beitrag zur Geschichte des kurkölnischen Amtes Deutz, Köln 1913

Umfang:
4,30 m, 169