Bürgermeisterei Worringen (Best. 885) Bestand (348 Verzeichnungseinheiten, 0 Einträge)

Einleitung

1. Verwaltungsbezirk und Verwaltungsaufbau
Das spätere Gebiet der Bürgermeisterei Worringen gehörte vor den territorialen Veränderungen in Auswirkung der Französischen Revolution zum Erzstift Köln und wurde vom Amt Hülchrath verwaltet. Die Ortschaften Langel und Rheinkassel unterstanden einer gemeinschaftlichen herzoglichbergischen
und kurkölnischen Verwaltung. Nach dem Einmarsch der Franzosen im Oktober 1794 wurde das Gebiet um Worringen dem 3. Kanton zugeteilt, der mit weiteren 6 Kantonen das Territorium des Erzstifts Köln umfaßte und der Bezirksverwaltung in Bonn unterstand. Mit der Bildung der Departements 1798 wurde das Gebiet um Worringen dem Kanton Zons zugeteilt, der mit Verlegung des Amtssitzes ein halbes Jahr später in Kanton Dormagen umbenannt wurde. Durch das Gesetz vom 17. Februar 1800, das einige Monate später in den rheinischen Departements wirksam wurde, erfolgte die für die Zukunft entscheidende Veränderung auf der untersten Verwaltungsebene: An Stelle der Kantone, die ihre Verwaltungsfunktion einbüßten, wurden Arrondissements, Gemeindebezirke, geschaffen und für die
Gemeinden die Mairieverfassung eingeführt. Sie wurde auch für Samtgemeinden übernommen. Der Zeitpunkt der genauen Bildung der Mairie Worringen ist unbekannt, dürfte aber mit der konsularischen Bestätigung der rheinischen Mairien vom 30. Juni 1802 abgeschlossen sein.
Mit der Eingliederung der Rheinlande in das Königreich Preußen 1815 blieb die französische Kommunalverfassung bestehen. Die Bürgermeisterei Worringen wurde in ihren alten Grenzen durch die am 20. April 1816 in Kraft gesetzte Verwaltungsneugliederung der preußischen Länder am Rhein aus dem Kanton Dormagen herausgelöst und dem Landkreis Köln im Regierungsbezirk
Köln eingegliedert.
Bis zur Eingemeindung nach Köln im Jahre 1922 blieb das Gebiet der Bürgermeisterei unverändert. Es umfaßte die Ortschaften Worringen (mit den zugehörigen Höfen Haus Arff, Brüngesrather Hof, Bergerhof, Krebelshof, Blechhof, Chorbusch, Furth und Piwipp), Roggendorf-Thenhoven, Weiler, Fühlingen (mit Feldkassel und Stallagsberg), Langel (mit Rheinkassel und
Kasselberg), Merkenich (mit den Höfen Groß- und Klein-Lachem). Erst gleichzeitig mit der Eingliederung in die Stadtgemeinde Köln wurde ein schmaler Rheinuferstreifen bis zur Piwipp an Dormagen abgetreten.
Auch der politische Verband der Samtgemeinde blieb bis zur Eingemeindung bestehen. Eine von den Gemeinden Fühlingen und Weiler 1869 beabsichtigte Bildung von Spezialgemeinden scheiterte am Widerstand der Oberbehörden. Der Amtssitz der Bürgermeisterei wechselte stets mit dem Wohnsitz des Bürgermeisters. So war die Verwaltung Anfang des 19. Jahrhunderts in Worringen, wurde dann 1838 nach Fühlingen verlegt und knapp 30 Jahre später, 1867, wieder in Worringen eingerichtet, wo im Jahre 1908 das Rathaus fertiggestellt werden konnte. Mit der Eingemeindung nach Köln zum 1. April 1922 erlosch die Selbständigkeit der Bürgermeisterei Worringen.

2. Bürgermeister, Beigeordnete, Gemeindeempfänger, -baumeister,
-sekretäre
Bürgermeister
Franz Adam Cremerius 1797-1832
Theodor Bollig 1832-1835
(kommissarisch)
Heinrich Bender 1835-1866
Mathias Bender 1866-1906
Josef Seul 1907-1922

Beigeordnete
1. Beigeordneter
Theodor Bollig 1810-1839
Franz Anton Frenger 1839-1866
Theobald Bender 1867-1872
Johann Schumacher1872-1877
Hermann Joseph Schumacher 1878-1881 (?)
Carl Flügel 1881-1897
Heinrich Frenger 1897-1922

2. Beigeordneter
Johann Boes 1825-1843
Heinrich Boes 1843-1866 (?)
Franz Anton Frenger 1867-1878
Carl Flügel 1878-1881
Heinrich Frenger 1881-1897
Robert Horster 1897-1908
Johann Zillekens 1908-1922

3. Beigeordneter
Mathias Bender 1863-1866
Johann Schumacher 1867-1872
Heinrich Frenger 1879-1881

Gemeindeempfänger
Heinrich Bitter 1814-1871
Heinrich Boes 1871-1872
Robert Berger 1872-1873
(interimistisch)
Johann Zaun 1873-1903
Paul Zaun 1903-1922

Gemeindebaumeister
Heinrich Müller 1904-1922

Gemeindesekretäre
Anton Welling 1872-1914
Josef Düpper 1916-1917
Alfred Klever 1918-1922

3. Aktenführung und Verbleib der Akten
Über die Registratur und Aktenführung der Bürgermeisterei-verwaltung Worringen lassen sich wegen der lückenhaften Überlieferung für das 19. Jahrhundert kaum genauere Angaben machen. Für die ersten fünf Jahrzehnte wurden handbeschriebene blaue Aktendeckel benutzt. Signaturen
ließen sich nicht feststellen. Bei einer späteren Registratur-neuordnung wurden teilbedruckte, normierte, ebenfalls blaue Aktendeckel verwandt. Nach den wenigen feststellbaren Signaturen hatte die Registratur damals dreigliedrige
Aktensignaturen nach Section, Fach und Nummer mit römischen
und arabischen Zahlen. Diese Reorganisation der Registratur mit neuem Aktenplan scheint unter Mathias Bender nach seinem Amtsantritt 1866 durchgeführt worden zu sein (1). Im Laufe seiner langen Amtszeit hat es einige weitere Veränderungen und Verbesserungen gegeben. Anzeichen deuten darauf hin, daß - wahrscheinlich in den 90er Jahren - eine Neuordnung der
Akten mit zweigliedrigen Signaturen nach Schrank und Fach mit römischen und arabischen Zahlen durchgeführt wurde, auch neue, vollständig bedruckte Aktendeckel angeschafft wurden.
Eine Reorganisation der Registratur fand dann nochmals mit dem Amtsantritt des Bürgermeisters Seul 1907 statt (2). Er ließ sich vom Gemeinderat eine ansehnliche Summe zur Neuordnung der Registratur genehmigen, schaffte neue bedruckte, verschieden-farbige Aktendeckel (braun für General-, blau für Spezialakten) an und führte ein zweigliedriges Signatursystem nach Fach und Nummer ein. Diese Registratur- und Aktenordnung blieb bis zur
Eingemeindung 1922 bestehen.
Mit der Eingemeindung gelangten die von den Nachfolgedienst-stellen nicht mehr benötigten Akten in das Verwaltungsarchiv. Die für die laufenden Verwaltungsgeschäfte unentbehrlichen Akten wurden von den zuständigen städtischen Verwaltungs-stellen übernommen und gelangten teilweise mit den Akten des Verwaltungsarchivs Jahrzehnte später an das Historische Archiv.
Teile der Altakten gingen aber verloren, so durch planmäßige Vernichtung im Verwaltungsarchiv selbst, zum größeren Teil wohl durch Verluste in den Dienststellen, besonders während des 2. Weltkrieges.

4. Inhalt und Klassifizierung
Der Bestand Worringen (885) umfaßt einen Zeitraum von 1815 bis 1922. Er entspricht nicht mehr dem ursprünglichen Umfang einer Bürgermeisterei-Registratur. Starke Verluste müssen für das gesamte 19. Jahrhundert angenommen werden. Für diese sind teils die mehrmaligen Wechsel des Amtssitzes und der angemieteten Amtsräume verantwortlich. So sind von einer im
Jahr 1835 erstellten Liste, die im Rahmen der Übernahme der Amtsgeschäfte durch Heinrich Bender angefertigt wurde, keine der darin aufgeführten Akten mehr erhalten (3). Auch aus der Zeit Benders gibt es nur wenige Aktenvorgänge. Für die Amtszeit seines Sohnes Mathias Bender ist die Quellenlage etwas günstiger.
Als weitere Ursache für die lückenhafte Überlieferung des vor-liegenden Bestandes müssen die regelmäßigen Altpapier-verwertungen genannt werden. Die umfangreichste dieser Maßnahmen erfolgte im Januar 1918 auf Grund der angespannten Kriegswirtschaftslage. Insgesamt wurden damals zwei
Tonnen Schriftgut u. a. Listen und Vordrucke, aber auch Akten vernichtet, teilweise Unterlagen, die bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückgingen (4).
Eine dichtere Überlieferung setzt erst mit dem Amtsantritt des Bürgermeisters Seul ein. Trotz verhältnismäßig kurzer Amts-tätigkeit entfällt auf diese Zeit bis 1922 der größte Teil des Bestandes. Die relativ dünnen Akten besitzen aber oft nur einen geringen historischen Quellenwert und erstrecken sich zu einem nicht unwesentlichen Teil auf allgemeine Fragen der Kriegs-bewirtschaftung und der Besatzungszeit.
Die Akten des vorliegenden Bestandes Worringen (885) lagerten zu etwa einem Drittel bis vor zehn Jahren ungeordnet in mehreren Archivkartons. Sie wurden vom Bearbeiter im Zusammenhang mit einer 1978 zusammengestellten Ausstellung über Worringen verzeichnet und geordnet. Die restlichen Akten, der überwiegende Teil, wurden in dem ehemaligen Bestand des
Verwaltungsarchivs und in verschiedenen Aktenablieferungen städtischer Dienststellen ermittelt. Wegen der trümmerhaften Überlieferung war eine Rekonstruktion der ehemaligen Registraturverhältnisse und der früheren Aktenordnung wenig sinnvoll. So wurden die Akten nach einem einheitlichen Gliederungsplan geordnet.

Anmerkungen
(1) Zu den Registraturverhältnissen unter dem Bürgermeister Mathias Bender: Best. Worringen (885), Nr. 24
2) Best. Worringen (885), Nr. 20
3) Best. Worringen (885), Nr. 24
4) Best. Worringen (885), Nr. 20

Literatur
Josef Gödecke, Worringen. Bild eines rheinischen Dorfes, Köln-Worringen, 1971.
Toni Jägers, Köln-Worringen in Geschichte und Geschichten, Köln-Worringen 1985.

Umfang:
8,30 m, 348