Armenverwaltung (AV) (Best. 160) Laufzeit: 1234 - 1798 Bestand (0 Verzeichnungseinheiten, 0 Einträge)

Die Zusammenfassung aller sozial-karitativen Institutionen und Stiftungen unter zwei (in französischer Zeit) bzw. eine (in preußischer Zeit) zentrale Verwaltung entsprach der seit Ende des Mittelalters zu beobachtenden Tendenz des Rates, die Wohlfahrtspflege seiner Oberaufsicht zu unterwerfen, ungeachtet der kirchlichen oder privaten Entstehung und Geschäftsführung im einzelnen. Von daher ist es erklärlich, dass die französische Gesetzgebung über das Armenwesen auf keine Widerstände prinzipieller Art in Köln stieß. Die entscheidenden Gesetze vom 16. vend 5./7. Okt. 1796 über die geschlossene Armenpflege bzw. Hospices civiles und vom 7. frim. 5/27. Nov. 1796 über die offene Armenpflege bzw. Bureaux de bienfaisance wurden durch Publizierung unterm 1. therm. 6/19. Juli 1798 gültiges Recht im französischen Rheinland (§§ 520-533 der Verwaltungsordnung einschl. der Verordnung vom 23. brum. 5/13. Nov. 1796 als § 522, gefolgt von den Gesetzen über Waisenkinder und -häuser vom 27. frim 5/17. Dez. 1796 als §§ 534 ff.). Dementsprechend beschloss die Stadt Köln am 4. Jan. 1799 die Gründung einer Commission administrative des hospices civiles und am 6. Jan. 1799 die eines Bureau de bien faisance. Mit geringfügigen Änderungen hatten diese Verwaltungen Bestand bis 1818. Zum Haupt-Wohltätigkeits-Verein zusammengeschlossen, erhielt dieser durch die Armenordnung vom 18. Juni 1818 die umfassende Regelung des Armenwesens übertragen und firmierte bald nur noch als die Armenverwaltung (AV).
Wie das genuin städtische Schriftgut über die AV-Institute, das Fuchs in seinem Generalverzeichnis auf S. 127-143 unter keiner zusammenfassenden Überschrift auflistete, bei der Bildung des heutigen Archivbestandes AV behandelt wurde, ist noch nicht geklärt. Die wenigen Urkunden - fast allein für Allerheiligen - sind in Bestand 1 (HUA). Aber wie das vom Rat abgehörte Exemplar der Rechnungen sich heute nachweislich in der B-Reihe des Bestandes findet, so ist zu vermuten, daß auch die sonstigen Akten mit den AV-Provenienzen zusammengeworfen worden sind, analog zum Verfahren mit dem Schriftgut des 19. Jahrhunderts.
Da die Armenverwaltungsbehörden es sich zum Prinzip gemacht hatten, im Rechnungswesen die verschiedenen Vermögen weiterhin als eigene Posten zu behandeln, ist es späterhin den Archivaren relativ leicht gefallen, die Provenienzen zu sondern. Schon das 1889 vom Archivar der Armenverwaltung Schanz erstellte zweibändige Findbuch (das jetzt noch für die Akten z.T. gültig ist) hat sie als Haupteinteilung benutzt. Damals wurde der Bestand dem Historischen Archiv übergeben, da das eigene Archiv der Armenverwaltung aufgelöst wurde. Eine kleine Auswahl (auch mittelalterlicher Urkunden) verblieb aber weiterhin im städtischen Verwaltungsarchiv, das Schanz bis zu seinem Tod 1904 leitete, und gelangte erst 1908 in das Historische Archiv. 1891 hatte man sich im Historischen Archiv erstmals des Bestandes angenommen und die Urkunden eigens numeriert; doch sind diese mitunter von Keussen in der "Topographie" angeführten Signaturen heute obsolet. In den 30er Jahren ist dann eine neue Urkundenverzeichnung begonnen worden, womit die technischen Aufteilung des gesamten Bestandes in Serien endgültig besiegelt wurde. Die Serien der Bücher (B) und Quittungen (Q) wurden bald nach 1971 gebildet, jedoch noch ohne die jetzt gültige Zählung.
Auf den im Grunde unzutreffenden Bestandsnamen Armenverwaltung kann nicht verzichtet werden, da der Bestand nicht restlos auf Provenienzen aufgeteilt werden kann (s.o. Z 6 Nr. 83). Um den Best. eindeutig vom Schriftgut der eigentlichen Armenverwaltung des 19. Jh. zu unterscheiden, empfiehlt sich die bevorzugte Verwendung der Bestandsnummer 160.

Es handelt sich also bei dem Bestand 160 um einen Sammelbestand ehemals selbständiger Schriftgutbildner im sozial-karititiven Bereich, die im 19. Jh. von der städtischen Armenverwaltung zusammengefaßt worden sind. 82 Provenienzen sind bisher festgestellt worden, die sich wie folgt gliedern lassen (die Zahlen verweisen auf die Liste im beigefügten pdf-Dokument);
(A) 17 Hospitäler, Armen- und Waisenhäuser: 1, 3, 6, 18,
28, 30, 34, 37, 56, 58, 61, 63, 69, 70, 77, 80, 82.
(B) 25 Konvente: 10, 15, 17, 20, 23, 26, 27, 31, 32, 39,
41, 44, 48, 49, 50, 52, 54, 65, 66, 71, 74, 75, 76,
78, 81.
(C) 31 Armenstiftungen bei Kirchen: 2, 4, 5, 7, 9, 11,
12, 13, 21, 22, 33, 35, 36, 40, 42, 43, 45, 46, 47,
51, 53, 55, 57, 59, 60, 62, 67, 68, 72, 73, 79.
(D) 9 selbständige Stiftungen: 8, 14, 16, 19, 24, 25, 29,
38, 64.

Wieweit bei den Stiftungen die Schriftgutführung tatsächlich selbständig war oder ob sie in die Verwaltung der jeweiligen Kirche, der sie zugeordnet worden war, eingebunden blieb, ist oft nicht zu klären und bleibt eine Ermessensfrage. In sehr beschränktem Umfang ist auch beim Rat der Stadt Schriftgut betreffend die AV-Institutionen angefallen. Vor allem zählte dazu das Exemplar der Jahresrechnungen, das vom Rat abgehört und abgezeichnet wurde und im städtischen Archiv verblieb (AR 30 S. 135 ff.).
Aufteilung und Namengebung beruhen letztlich auf Entscheidungen der Armenverwaltung im 19. Jh.

Die Neuordnung des umfangreichen Sammelbestandes, die vor allem eine korrekte Abgrenzung zum eigentlichen Schriftgut der Armenverwaltung in französischer und preußischer Zeit zum Ziel hat, ist bei den Akten erst teilweise durchgeführt. Jedoch dürften sich nur noch geringfügige Änderungen ergeben und ist im übrigen das jetzige Ordnungsschema so angelegt, daß Nachträge ohne weiteres angefügt und in den richtigen Kontext eingebracht werden können.
Es sind 4 Serien gebildet worden, U für Urkunden, B für Amtsbücher, Q für Belege zu den Rechnungen der Serie B und A für Akten. Sie zählen von 1 an laufend durch, gegebenenfalls mit Leernummern zwischen den einzelnen Provenienzen. Die größeren Institutionen sind in allen Serien vertreten. Nähere Informationen befinden sich in der beigefügten pdf-Datei.

Findmittel
Lesesaal: Kartei für U 1-2154; Kartei für A 1-1670 (Waisenhaus, Geisthaus und Revilien teilweise, zahlreiche Leernr.); Findbuch für Akten, gültig ab Kasten 51 (urspr. auch für Urk. und Bücher gültig, s.u. Z 7); Kartei für B(ücher) 1-3400; Liste für Q(uittungen) 1-670.

Umfang:
2154 Urkunden, 119 m