Thomas, Christa (Best. 1276) Laufzeit: 1920-1985 Bestand (462 Verzeichnungseinheiten, 0 Einträge)

Thomas, Christa, 1893-1989, Jugend- und Sozialfürsorgerin, Publizistin; Enthält u.a.: Persönliche und familiäre Unterlagen (Ausweise, Urkunden); Tagebücher, Erinnerungen, Gespräche, Interviews, eigene Zeitungsartikel (1944-1982); Veröffentlichungen, biographische Arbeiten u.a. über Hans Wölfel, Bamberg, Autobiographisches, Kurzgeschichten (ca. 1930-1956); Rundbriefe an die Friedensfreunde (1954-1973); Aufsätze, Vorträge, Leserbriefe, Buchbesprechungen, u.a. betr. Gleichberechtigung der Frau, über Klara Maria Fassbinder, Seelsorge, das weibliche Prinzip in den Gottesvorstellungen alter Kulturen (1934-1982);
Tätigkeiten und Mitgliedschaften in Parteien: Aktion Demokratischer Fortschritt (1969); Bund der Deutschen (1953-1957), CDU (1946-1972), Deutsche Friedens-Union, Kandidatur (1962-1974), Gesamtdeutsche Volkspartei (1956-1958); Tätigkeiten in Verbänden; Schriftwechsel (1939-1986); Materialsammlungen, Zeitungsartikel

I. Einleitung
1. Übernahme des Nachlasses
Am 5.11.1979 und am 31.8.1981 übergab die damals in den Riehler Heimstätten lebende Pazifistin und Feministin Christa Thomas (1893-1989) einen Großteil ihrer Papiere dem Historischen Archiv der Stadt Köln zur Aufbewahrung (acc. 1004/79 und acc. 1071/81). Kleinere Abgaben folgten in Abständen bis kurz vor ihrem Tod im Jahre 1989.
Einen weiteren Teil ihres Nachlasses hatte Frau Thomas bereits in den Jahren 1969-1973 im Ökumenischen Archiv in Soest hinterlegt. Als dieses 1979 mit dem Archiv der EKU zum "Evangelischen Zentralarchiv in Berlin" zusammengelegt wurde, gelangten die in Soest lagernden Archivalien nach Berlin. Am 13.8.1982 wurde der Berliner Teilnachlaß mit dem in Köln lagernden zusammengeführt (acc. 1114/82).
2. Ordnung und Verzeichnung
Die archivische Ordnung und Verzeichnung wurde im Juni 1995 begonnen und im September 1995 abgeschlossen.
Der vorgefundene Ordnungs- und Erschließungsstand war unterschiedlicher Natur.
Die vom Ev. Zentralarchiv in Berlin übernommenen, meist in roten Archivmappen aufbewahrten Archivalien waren summarisch aufgelistet und z. T. mit komplizierten Signaturen versehen, die vermutlich im Ökumenischen Archiv in Soest vergeben worden sind.
Die in Köln lagernden Akten waren nur z. T. auf Karteikarten erfaßt und mit laufenden Nummern versehen, der Rest war völlig ungeordnet.
Es galt, den unterschiedlichen Ordnungs- und Verzeichnungsstand zu vereinheitlichen, Unterlagen, die aus dem Zusammenhang gerissen waren, wieder zusammenzufügen und den Nachlaß besser benutzbar zu machen. Auf zeitraubende Feinordnung, Einzelverzeichnung von Druckschriften sowie die Erfassung aller Korrespondenzpartner wurde verzichtet.
Bei der Neuverzeichnung erhielten alle Archivalien Signaturen nach numerus currens. Die alten Soester Signaturen sind in einer Konkordanz den neuen Kölner gegenübergestellt.
Außer persönlichen Papieren, Unterlagen zur Familie, über Partei- und Vereinsmitgliedschaften enthält der Nachlaß die Korrespondenz mit Lesern der Rundbriefe, die Frau Thomas seit 1954 18 Jahre lang herausgab und die sich vor allem dem aktuellen Tagesgeschehen, der Friedensarbeit, der kath. Kirche und der Frauenfrage widmen.

Der Schriftwechsel ist chronologisch geordnet und vielfach angereichert mit Druckschriften, Zeitungsartikeln und Aufsätzen fremder Autoren.
Von der Nachlasserin selbst geschaffene Einheiten, bei denen kaufmännische Ablage überwiegt, blieben meist in der vorgefundenen Form erhalten; nur hin und wieder wurden Korrekturen vorgenommen.
Lose aufgefundene Briefe wurden in chronologischer Reihenfolge in den entsprechenden Schriftwechsel eingeordnet.
Die Rundbriefe liegen gebunden und in Klemmheftern vor, z. T. lose in Mappen. Exemplare, die mehr als 2x vorhanden waren, wurden kassiert.
Materialsammlungen zu Friedens-, Frauen- und Kirchenfragen sowie Druckschriften, die den umfangreichsten Teil des Nachlasses bilden, verdeutlichen, daß diese Themen Frau Thomas ein Leben lang beschäftigten.
Der geordnete Bestand umfaßt 31 Archivkartons, darunter 6 Kartons Bücher.
3. Benutzung
Für die Benutzung des Nachlasses zu Studienzwecken bestehen keine Beschränkungen. Der Benutzer ist jedoch verpflichtet, die Rechte Dritter, insbesondere Urheber- und Persönlichkeitsrechte, zu beachten.
Köln, im September 1998

28.06.1893 in Köln geboren als Tochter des Stadtbaumeisters Friedrich Thomas und seiner Ehefrau Sophia Wüst; aufgewachsen mit 4 jüngeren Brüdern.

ca. 1903-1908 Besuch der Stadt. Mittelschule für
Mädchen II, Niederichstraße .

1911 Erste schriftstellerische Betätigung.

1. Weltkrieg Tod ihres Verlobten und des Lieblingsbruders.

ca. 1919 Mitarbeiterin von Hedwig Dransfeld als Geschäftsführerin für den Bau einer kath. Frauenfriedenskirche in Frankfurt a.M.

ca. 1920-1922 Studium an der Sozialpolitischen Frauenschule des Caritasverbandes in Freiburg i. Br.
Examen als staatlich anerkannte Wohlfahrtspflegerin und als Seelsorgshelferin(mit missio canonica).

01.09.1922-30.04.1923 Verbandssekretärin des Zentralverbandes
der kath. Jungfrauenvereinigungen
Deutschlands in Bochum.

01.06.1923-30.09.1923 Praktikantin im Kath. Fürsorgeverein für
Mädchen, Frauen und Kinder, Dortmund.

15.02.1924-30.05.1924 Redaktionsvoluntärin der "Vestische
Druckerei und Verlags A.G."( Verlag der Recklinghauser Volkszeitung ).

01.09.1924-01.02.1926 Beschäftigung beim Caritasverband Recklinghausen.
Schriftleiterin der Recklinghauser Kirchenzeitung.

01.04.1926-01.09.1928 Leiterin der Frauenabteilung des Arbeitsamtes Bamberg.

01.06.1929-15.08.1929 SB-Praktikantin bei der Firma Dr. August Oetker in Bielefeld.

15.08.1929-06.05.1930 Soziale Betriebsarbeiterin der Vereinigten Seidenwebereien AG, Werk Anrath, Krefeld.

01.08.1930-01.08.1934 Reisesekretärin des Kanisiuswerkes in Freiburg/Schweiz. Mitarbeit an Werken und Broschüren des Verlags. Veröffentlichung kleiner Biographien über sozial fortschrittliche Frauen des 19.Jh.

Okt. 1934-Aug.l937 Unbezahlte Sozialarbeiterin in der Notsiedlung auf der Golzheimer Heide(Heinefeld)bei Düsseldorf.Berichte über ihre Erlebnisse in derKölner Kirchenzeitung.Beschlagnahmung der Broschüre: "Die am Rande der Großstadt" durch die Nationalsozialisten.

02.09.1937-02.11.1937 Fürsorgerin in der Marienherberge des kath. Fürsorgevereins für Mädchen, Frauen
und Kinder e.V. Berlin.

01.04.1941-31.10.1941 Erzieherin in der Frauenabteilung der
Provinzialarbeitsanstalt in Brauweiler.

11.12.1941-30.06.1943 Dienstverpflichtung als Soldatenbetreuerin bei den Schlesischen Schuhwerken Ottmuth AG, danach als soziale Betriebsarbeiterin bei den Arado Flugzeugwerken in Landshut/Schlesien.

1942 und 1943 Verlust von 2 weiteren Brüdern.

Febr. 1945 Flucht nach Bamberg.
Einrichtung einer Lesestube für
Flüchtlinge für den Caritasverband.
Mitglied der CSU in Bamberg, nach
Übersiedlung nach NRW der CDU.
Sekretärin der CDU in Mönchengladbach.

28.10.1947-31.03.1948 Heimleiterin im Kindererholungsheim der
Stadt Mönchengladbach.

1948-1950 Rednerin und Publizistin beim Friedensbund Deutscher Katholiken. Herausgabe der Friedensbriefe zusammen mit Pastor Beckers. Delegierte des Friedensbundes Deutscher Katholiken im Friedenskartell in Düsseldorf.

1950-1959 Mitglied der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit.

18.10.1950-28.02.1951 Angestellte beim Statistischen Landesamt NRW im Rahmen der befristeten Volkszählung.

1953-1970 Mitglied im Bund der Deutschen, später in der Gesamtdeutschen Volkspartei.

1954 und 1957 Kandidatur für den Bund der Deutschen.

1954 Anklage als Gründerin und
Präsidialmitglied des "Hauptausschusses für Volksbefragung", später "Hauptausschuß gegen Remilitarisierungfür den Abschluß eines Friedensvertrages" wegen Hoch- und Landesverrats, Rädelsführerei in einer verfassungsfeindlichen
Organisation und Verbreitung verfassungsfeindlicher Schriften.

1955 Prozeß vor der IV. Strafkammer des Landgerichts
Düsseldorf; Freispruch wegen
erwiesener Unschuld.

1954-1971 Herausgabe der Rundbriefe an die Friedensfreunde.

09.07.1956 Mitglied in der Deutschen Friedensgesellschaft- Bund der Kriegsgegner e.V., Gruppe Dortmund.

1962 und 1965 Kandidatur für die Deutsche Friedensunion.

19.03.1969 Mitglied der Aktion Demokratischer Fortschritt.

Mai 1975 Bezug der Riehler Heimstätten in Köln.

1975/76 Initiatorin zur Gründung eines Frauenhauses
in Köln.

02.04.1989 In Köln gestorben.

Umfang:
10,30 m; 31 Kartons; 461 Akten