Trimborn, Karl und Jeanne (Best. 1256) Laufzeit: 1880-1921 Bestand (628 Verzeichnungseinheiten, 0 Einträge)

Nachlass Karl und Jeanne Trimborn 1880-1921
I Einleitung
1) Lebenslauf
1854 Dez. 2
Karl Trimborn in Köln geboren (Glockengasse 15);
Eltern: Antoinette geb. Pauli und Cornelius Balduin Trimborn, Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses und Mitglied des Reichstages (für Krefeld). - Karl schrieb seinen Vornamen selber stets mit C!
1864 - 1873
Besuch des Apostelgymnasiums. Abitur (vgl. Bestand 56/540).
1873 - 1875
Studium in Leipzig (Geschichte, Philosophie), danach Studium der Rechtswissenschaften
1875
Studium in München
1876
Studium in Straßburg
1877
Examen in Köln, anschließend Referendar in Köln
ab 1877
Mitarbeit im Kölner Vinzenzverein, im Kolpingsverein, im Kuratorium des Kölner Gesellenhospizes und in der Zentrumspartei
1882
Rechtsanwalt
1884
Heirat mit Jeanne Mali (geb. am 14. Feb. 1862 in Verviers, Belgien); der Ehe entstammte die Tochter Clary (verehelichte von Hobe, + 21.02.1977)
1890
2. Vorsitzender des Volksvereins für das katholische Deutschland (Mönchengladbach)
1893 - 1913
Stadtverordneter
1894
Vorsitzender der Rheinischen Zentrumspartei
1896 - 1918
Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses
1896 - 1921
Mitglied des Reichstages
1901
Präsident des Katholikentages in Osnabrück
1903
Errichtung des Generalsekretariats der Rheinischen Zentrumspartei
1904
Vorsitzender der Kommission für Handel und Gewerbe; Aufgabe der Rechtsanwaltspraxis
1912 Jan.
Verlust des Kölner Reichstagsmandats
1912 März
Reichstagsmandat für den Wahlkreis Sieg-Waldbröl (Siegburg)
1914 (nach Kriegsausbruch)
Zivilkommissar im Arrondissement Verviers
1914 Nov.
Generalreferent für Kultus und Unterricht beim deutschen Generalgouverneur und beim Chef der Zivilverwaltung in Belgien (Brüssel)
1914 Okt.
Erster Vorsitzender des Volksvereins
1917 Aug.
Entlassung aus dem deutschen Verwaltungsdienst in Belgien; Umzug von Köln nach Unkel
1917/1918
Leitung der Zentrumsfraktion des Reichstages (infolge der Erkrankung von Adolf Gröber)
1918 Okt. 4 - Nov. 10
Staatssekretär und Ressortchef des Reichsamtes des Innern (Kabinett des Prinzen Max von Baden)
1919 Aug. 2
Jeanne Trimborn verstorben (das Todesdatum ist in der bisher erschienenen Literatur falsch angegeben).
Jeanne Trimborn war in verschiedenen Vereinen aktiv, insbesondere in der Sozial-caritativen Damen-Union, im Mädchenschutzverein (Bahnhofsmission) und im Katholischen Frauenbund Deutschlands. Jeanne Trimborn war Vorsitzende bzw. Mitglied des Vorstandes dieser Vereine.
1919 Nov.
Leitung der Zentrumsfraktion des Reichstages (nach dem Tode von Adolf Gröber)
1920 Jan.
Vorsitzender der Zentrumspartei
1921 Juli 25
Karl Trimborn in Bonn verstorben
2) Aktenübernahme, Ordnungsverfahren
Nach mehrjährigen Verhandlungen gelangten am 28.11.1977 die meisten der sich in Familienbesitz - nämlich im Haus in Unkel - befindlichen Papiere von Jeanne und Karl Trimborn in das Historische Archiv (acc. 931). Einige Akten und zahlreiche Fotos wurden am 17.12.1986 nachgeliefert (acc. 1504).
Die Akten lagen meist lose in stark verschmutzten Heftern, die vielfach mit Aufschriften und Aktenschwänzen versehen waren. Anhand dieser Aktentitel, die Karl Trimborn zum großen Teil selbst geschrieben hat, wurde zunächst eine Ablieferungsliste erstellt. Die Akten erhielten neue Umschläge und laufende Nummern. Damit war der Bestand, der seit dem Frühjahr 1985 freigegeben ist, benutzbar.
Karl und Jeanne Trimborn hatten zahlreiche Aktenserien angelegt, daneben aber auch Sachakten, ohne allerdings klare Trennungslinien einzuhalten. Schon bei der ersten Durchsicht zeigte es sich, daß Aufschriften und Inhalte häufig nicht übereinstimmten. Die Papiere - insbesondere die Briefserien - sind im Laufe der Zeit stark durcheinander geraten.
Die Hefter waren sehr umfangreich (teilweise 15 cm dick). Deshalb sind sie, von wenigen Ausnahmen abgesehen, jeweils in mehrere Mappen aufgeteilt worden. Dies geschah mit großer Vorsicht, um nicht mögliche Zusammenhänge zu zerstören.
Für jede Mappe wurde eine Titelkarte angelegt, auf der die alte Aktenaufschrift festgehalten war (z. B. "Erledigte Korrespondenz"). In das Findbuch übernommen worden sind allerdings nur diejenigen alten Aktenaufschriften, die wenigstens annähernd dem Inhalt der Akte entsprechen. Angesichts der in Umfang, Inhalt und Bedeutung sich erheblich voneinander unterscheidenden Akten war bei der Verzeichnung eine gewisse Flexibilität notwendig, und die verschiedenen Möglichkeiten der Titelaufnahme kamen zur Anwendung.
Der Schriftwechsel zwischen Karl und Jeanne Trimborn ist durch Sammelregesten erschlossen. Zwar werden neben privaten Mitteilungen sehr viele Ereignisse und Personen in den Briefen erwähnt, aber immer nur äußerst kurz und knapp. Es empfiehlt sich dennoch stets, die Briefe durchzusehen, obwohl vielfach keine grundlegenden neuen Erkenntnisse über historische Vorgänge zu erwarten sind.
An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, daß die Korrespondenz zwar vorwiegend in deutscher Sprache abgefaßt ist, Jeanne Trimborn, die Tochter Clary von Hobe sowie die belgischen Verwandten und Freunde jedoch häufig in französischer Sprache schreiben.
Die Klassifikation gestaltete sich recht schwierig. Das Durcheinander innerhalb der Akten war erheblich, außerdem hatte Karl Trimborn private sowie Unterlagen aus seinen verschiedenen Tätigkeiten - Zentrumsvorsitz, parlamentarische Arbeit, Staatssekretariat, Vorsitz im Volksverein - gemischt. Gelegentliche Überschneidungen in den einzelnen Sachgruppen ließen sich nicht vermeiden. Nach der Klassifikation konnten einige sehr dünne Akten zusammengefaßt, andere mußten neu- bzw. anders gegliedert und zahlreiche Aktentitel neu formuliert werden. Um einfache, fortlaufende Signaturen zu erhalten, sind alle Akten neu numeriert worden.
Nach der Übernahme waren die Akten zunächst in zwei Beständen (Karl bzw. Jeanne Trimborn) gelagert. Die Provenienzen waren jedoch durcheinandergeraten. Der lediglich einen Karton umfassende Bestand Jeanne Trimborn
enthielt Karls Akten, andererseits fanden sich Jeannes Unterlagen verstreut im Bestand Karl Trimborn. Da Karl und Jeanne oft - z.B. in Vereinen - zusammenarbeiteten, lassen sich die Provenienzen im übrigen nicht immer einwandfrei trennen. Aus diesem Grund sind die Akten jetzt in einem Bestand zusammengefaßt.
Der Bestand 1256 umfaßt 417 Akten. Sie stammen aus der Zeit von etwa 1870 - 1921.
Die meisten Akten Karl Trimborns dürften verlorengegangen sein. Clary von Hobe wußte - wie sie an Ursula Lewald schrieb (s. Nachlaßverhandlungen mit dem Historischen Archiv) - nichts über den Verbleib der im Kölner Parteibüro bzw. in Berlin geführten Akten.
Die meisten Bilder - es handelt sich vorwiegend um Portraitaufnahmen von Zentrumspolitikern - hat Karl Trimborn selbst beschriftet. Auf vielen Fotos finden sich - nicht immer leserlich - Unterschriften und auch Widmungen. 12 Fotos waren allerdings nicht mit Namen versehen. Es gelang bisher nicht vollständig, die fehlenden Angaben zu ergänzen. Einige Portraitaufnahmen stammen aus den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts; die meisten Bilder bekam Trimborn zum 60. Geburtstag 1914 geschenkt. Nur in seltenen Fällen hatten die Fotografen die Daten auf den Bildern eingeprägt. Die im Verzeichnis angegebenen Jahreszahlen bedeuten also nicht, daß die Portraits auch in diesem Jahr entstanden sind.
Die Bilder erhielten die Nr. B 1 - 211 und lagern gesondert am Schluß des Bestandes.
Köln, im Juli 1987

3) Literatur über Karl und Jeanne Trimborn (Auswahl)
Rudolf Brack, Deutscher Episkopat und Gewerkschaftsstreit 1900 - 1914, in: Bonner Beiträge zur Kirchengeschichte 9, Köln, Wien 1976.
(K.) Trimborn, Kommunalpolitik der politischen Parteien (Zentrum), in: Josef Brix u.a. (Hrsg.), Handwörterbuch der Kommunalwissenschaften, Bd. III Jena, 1922, S. 22 - 29.
Rudolf Morsey, Karl Trimborn, in: Rheinische Lebensbilder, Bd. 3 (im Auftrag der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde hg. von Bernhard Poll), Düsseldorf 1968. - Morsey listet auf S. 247 - 248 des Bandes alle ihm bekannten Quellen und die Literatur über Trimborn auf.
Rudolf Morsey, Karl Trimborn, in: Zeitgeschichte in Lebensbildern. Aus dem deutschen Katholizismus des 20. Jahrhunderts (Band 1). Hg. von Rudolf Morsey, Mainz 1973. - Angabe der Quellen und der Literatur über Trimborn auf S. 301 des Bandes.
Der Volksverein für das katholische Deutschland 1890 - 1933.
Eine Bibliographie. Bearbeitet von Georg Schoelen. Mit einer Einleitung von Rudolf Morsey und einem Nachlaßverzeichnis von Wolfgang Löhr. Mönchengladbach 1974.
Praktische Sozialpolitiker aus allen Ständen: Vom Throne bis zur Werkstätte, vom Palast bis zur Hütte. Hg. von J. H. Schütz, Cöln, etwa 1909, 2 Bände. - Dies Buch enthält einen Artikel über Karl Trimborn und im 2. Band, 3. Teil (Vereine) mehrere Artikel von Jeanne Trimborn.

Umfang:
12 Kartons