Vorster, Familie (Best. 1222) Laufzeit: ca. 1870-1932 Bestand (96 Verzeichnungseinheiten, 0 Einträge)

1) Nachfahrentafel
Vorster
Friedrich Julius
* Vorsterhausen 1809 April 29
+ Köln 1876 Okt. 10
oo Wilhelmine Röhrig

Kinder:
Johann Friedrich Julius Friedrich (Fritz) Wilhelm
* Köln 1845 Juni 17 * Köln 1850 Jan. 11
+ Oberkassel 1932 Mai 29 + Köln 1912 Juli 2
oo 1886 Mai 14 oo 1883
Clara Langen Maria Hermine Langen

Kinder von Julius: Kinder von Fritz:
Julius Jakob Friedrich Fritz
* Köln 1895 Febr. 17 * Köln 1884 Mai 8
+ 1974 Jan. 17 +Köln 1969 Juni 12 + 1918
oo Ingeborg Böcking
Hans
+ 1918

Alfred
* Köln 1886 Juni 11
+ ?
oo Ellen von Rost


2) Lebensläufe
a) Johann Friedrich Julius Vorster
Am 17. Juni 1845 wurde Johann Friedrich Julius Vorster in Köln, Severinstr. 53 geboren. Seine Eltern waren Friedrich Julius Vorster, der Gründer der chemischen Fabriken Vorster & Grüneberg, und Wilhelmine Vorster, geborene Röhrig.
Nach einer kaufmännischen Ausbildung im Ausland trat er 1867 in die Firma Vorster & Grüneberg ein. Als die Firma am 1. Juli 1892 in die Chemische Fabrik Kalk umgewandelt wurde, übernahm er einen der Geschäftsführerposten.
Er wurde bekannt als freigebiger Wohltäter zahlreicher Einrichtungen. Eine seiner Gaben war das Haus Rheingasse 13 bis 15, das er 1895 dem Evangelischen Arbeiterverein als Vereinshaus zur Verfügung stellte.
Daneben zeigte er starkes politisches Engagement. 1898 bis 1918 vertrat er den Kreis Moers als Mitglied der Freikonservativen Partei, später Deutschnationale Volkspartei, im Abgeordnetenhaus des Preußischen Landtages. Aus dieser politischen Tätigkeit entsprangen einige Schriften: Der Sozialismus der gebildeten Stände; Die Großindustrie, eine der Grundlagen nationaler Sozialpolitik (vgl. Nr. 1); Der preußische Landtag kein Klassenparlament.
Im Jahre 1881 gründete er mit anderen den Verein der Industriellen des Regierungsbezirks Köln, dessen Vorsitzender er von 1900 bis 1918 war.
1906 wurde er zum Geheimen und Kommerzienrat ernannt.
Am 29. Mai 1932 verschied Julius Vorster in Oberkassel bei Bonn, wo er lange Zeit Mitglied des Gemeinderates war.
Quellen und Literatur:
ZSB/A 35 Evangelisches Vereinshaus
Best, 1010 Nachlaß Josef Bayer
Bd 9/ 221 80. und 85. Geburtstag
222 desgl.
224 Todesanzeigen
Fünfzig Jahre Verein der Industriellen des Regierungsbezirks Köln e.V., Verlag Paul Neubner, Köln 1931, Kölner Industriehefte, Heft 19.

b) Julius Jakob Friedrich Vorster
Julius Jakob Friedrich Vorster wurde am 17. Februar 1895 als Sohn des Johann Friedrich Julius Vorster und seiner Frau Clara, geborene Langen, in Köln geboren.
Sein Studium beendete er mit der Promotion zum Dr. phil..
1924 trat er als Chemiker in die Chemische Fabrik Kalk ein. Auf einer Amerika-Reise in den Jahren 1925/26 suchte er sich fortzubilden und zu informieren.
1947 wurde ihm zusammen mit Dr. Fritz Brandt die Werksleitung übertragen.
Am 17. Januar 1974 verstarb Julius Vorster.

c) Friedrich Wilhelm Vorster
Friedrich (Fritz) Wilhelm Vorster wurde am 11. Januar 1850 in Köln, Severinstr. 53 geboren. Seine Eltern waren der Mitbegründer der Firma Vorster & Grüneberg, Friedrich Julius Vorster, und Wilhelmine Vorster, geborene Röhrig.
Nach einem Chemiestudium in Zürich trat er 1872 in die Firma ein, die er aber 1873 wieder verließ, um sich bei James Muspratt & Sons in Widnes, England weiter auszubilden. 1875 übernahm er die technische Leitung der Firma Vorster & Grüneberg. Bei deren Umwandlung 1892 zur Chemischen Fabrik Kalk wurde er einer der drei Geschäftsführer.
Eine seiner zahlreichen Schenkungen war im Jahre 1910 der Betrag von 100 000 Mark, den die Stadt Köln für die Errichtung einer Volksbibliothek mit Lesehalle in Kalk erhielt.
Fritz Vorster verstarb am 2. Juli 1912 in Köln.
Quellen:
Best. 1010 Nachlaß Josef Bayer
Bd 9/280 Nachruf
Abt. 22 Stiftungen
3/42 Stiftung von 20 000 Mark für den Bau einer Badeanstalt
Stiftung von 100 000 Mark für den Bau einer Volksbibliothek mit Lesehalle
3/49 Stiftung von 100 000 Mark zum Erwerb hervorragender Kunstwerke für die städtischen Museen

d) Fritz Vorster
Am 8. Mai 1884 wurde Fritz Vorster als Sohn des Friedrich Wilhelm Vorster und seiner Frau Maria Hermine, geborene Langen, in Köln geboren.
Im Jahre 1907 trat er als Diplom-Ingenieur in die Firma ein. Nach dem II. Weltkrieg 1945, wurde er durch die Militärregierung dienstenthoben, "dismissed"; er mußte das Werk verlassen. 1947 kehrte er wieder zurück. Nach fünfzigjähriger Tätigkeit trat er 1957 in den Ruhestand.
In den Jahren 1924 bis 1929 war Vorster Mitglied der Stadtverordnetenversammlung der Stadt Köln für die Deutsche Volkspartei. Am 11. September 1924 wurde er in den Ausschuß für Brücken und Häfen gewählt.
Am 12. Juni 1969 verstarb Fritz Vorster in Köln.

3) Paten und Literatur zur Chemischen Fabrik Kalk
An 1. November 1858 gründeten Friedrich Julius Vorster *29. April 1809 in Vorsterhausen/Westfalen, + 10. Oktober 1876 in Köln) und Dr. Hermann Grüneberg (* 11. April 1827 in Stettin + 7. Juni 1894 in Köln) die Firma Vorster & Grüneberg. Ihre wichtigste Änderung erfuhr diese am 1. Juli 1892, als sie in die Chemische Fabrik Kalk ungewandelt wurde.
Detaillierte Firmenchroniken sind zu finden in:
Chemische Fabrik Kalk, vorm. Vorster & Grüneberg, Festschrift zum 50jährigen Bestehen, 1858 - 1908, Köln 1908. Walter Greiling: 100 Jahre Chemische Fabrik Kalk, 1858 - 1958, Köln 1958.

4) Aktenübernahme
Der Bestand 1222 kam in zwei Akzessionen ins Archiv. Akzession 833 wurde im Mai 1974 von Frau Ingeborg Vorster, der Gattin Julius Jakob Friedrich Vorster dem Archiv überbracht, Akzession 903 übergab im März 1977 Frau van Bebber, eine frühere Mitarbeiterin Fritz Vorsters, auf Wunsch von dessen Schwiegersohn Herrn Karl von Stösser, ins Archiv.
Der Bestand umfaßt einen Archivkasten. Die Papiere stammen aus der Zeit von 1870 bis 1948.

5) Ordnungsverfahren
Die Papiere lagen grob geordnet vor. Sie wurden mit laufenden Nummern versehen und, größtenteils durch Einzelblattverzeichnung, erschlossen.
Teilweise ließ sich eine kaufmännische Ablage erkennen (vgl. Nr. 88: Rostspuren des Schnellhefters am jüngsten Schriftstück), die aber der Einheitlichkeit wegen zu Gunsten einer bürotechischen Ablage geändert wurde.
Soweit wie möglich wurden zu besseren Verständlichkeit in Teil B - Chemische Fabrik Kalk - die Lebensdaten des jeweiligen Mitgliedes der Familie Vorster eingefügt.
Es wurde darauf verzichtet, die Fotos der Bildersammlung der Zeitgeschichtlichen Sammlung einzuordnen, da zum einen diese Fotos oder ähnliche dort bereits vorhanden sind, zum anderen die Fotos konservatorisch, durch ihr Format, nicht gefährdet sind.
Abschließend wurden die Schriftstücke umsigniert, in ihrer Lage der Systematik angepaßt und im vorliegenden Findbuch durch einen Index erschlossen.
Die Papiere sind zu zitieren: Best. 1222/ laufende Nummer.

6) Abkürzungen
eh. - eigenhändig
hs. - handschriftlich
ms. - maschinenschriftlich
o.D. - ohne Datum
S. - Seite
Us. - Unterschrift


Inhalt:
Politische Tätigkeit von Johann Friedrich Julius Vorster (1845-1932) u.a. betr. Antisozialdemokratische Korrespondenz und den Reichsverband gegen die Sozialdemokratie (1903, 1907), Haus Rheingasse 13, für den evangelischen Arbeiterverein, das evangelische Lehrlingsheim (1895, 1914); Briefe von Carl Duisberg, Leverkusen, betr. Vorsters Amerikareise (1925); Julius Jakob Friedrich Vorster (1895-1974) betr. Amerikareise (1925); Friedrich Wilhelm Vorster (1850-1912) betr. Spende für die Volksbibliothek Kalk, u.a. Briefwechsel mit Prof. Franz Haack, Beigeordneten Karl Rehorst, Bürgermeister Max Albermann, Beigeordneten Walter Laué (1909-1910); Fritz Vorster (1884-1969): Tätigkeit als Stadtverordneter betr. Bau der Mülheimer Brücke, mit Wettbewerbsunterlagen der beteiligten Firmen (1927); Chemische Fabrik Kalk: Tod von Hermann Grüneberg (1894), Verwaltung des Unternehmens, u.a. Arbeitszeugnisse des Bleilöters Wilhelm Clemens aus Hilbersdorf (1872-1924); Produktion der Schwefelsäurefabrik in Kalk: Gutachten, Einsprüche, Betriebsergebnisse, Betriebsgenehmigungen (1870-1884); andere Produktionsverfahren, u.a. Verwertung von Kiesabbränden, Versuche mit verschiedenen Brennöfen, Verwertung von Braunkohlebriketts, Beratung der Chemischen Fabriken vormals Weiler-ter-Meer, Uerdingen (1870-1911); Mitgliedschaft bei der Industrie- und Handelskammer Köln: Personenverzeichnis, Geschäftsberichte, Rundschreiben, Schriftwechsel, Handelskammerwahlen (1918-1932); Dampfkessel-Überwachungs-Verein: Einladungen, Sitzungsberichte, Geschäftsberichte (1913-1921); Zeitschriften, einzelne Nrn., betr. Kunstdünger-Industrie, verschiedene politische und kulturgeschichtliche Zeitungsartikel (1933).

Umfang:
1 Karton