Neuerscheinungen zur Kölner Stadtgeschichte

Hier werden alle Themen rund um Köln behandelt.
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Neuerscheinungen zur Kölner Stadtgeschichte

Beitragvon Plassmann » Do 2. Apr 2015, 14:06

Barbara Becker-Jákli (Bearb.): Eberhard von Groote. Tagebuch 1815–1824 Bd. 1: 1815 (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde. Bd. LXXXII), ISBN 978-3-7700-7644-4

Rechtzeitig zum 200. Jubiläum der Übernahme der Herrschaft Preußens im Rheinland erschien die von Barbara Becker-Jákli besorgte Edition des ersten Bandes des Tagebuchs des Eberhard von Groote zum Jahr 1815. Groote stammte aus einer der führenden Kölner Familien und schloss sich 1815 bei Beginn des Feldzugs gegen den aus Elba zurückgekehrten Napoleon als Freiwilliger den preußischen Truppen an. Zwar verfügte er nicht über eine militärische Ausbildung, die ihm einen standesgemäßen Einsatz als Truppenoffizier ermöglicht hätte. Als „Philiosoph“ konnte man ihn dennoch gebrauchen (zumal er dort in engen Kontakt mit Clausewitz und Gneisenau kam, denen entsprechende Neigungen nicht abgesprochen werden können), und so wurde er Historiograph, also Kriegstagebuchführer, eines preußischen Armeekorps. Die entscheidenden Schlachten, die mit Napoleons Niederlage bei Belle Alliance/ Waterloo endeten, erlebte er jedoch mit einem Sonderauftrag fernab in Deutschland.
Wichtiger und nachhaltiger wirkte jedoch sein anschließender Einsatz für die Rückführung von Kölner Kulturgütern in ihre Heimat, die unter Napoleon nach Frankreich gebracht worden waren – darunter das berühmte Bild der Kreuzigung Petri von Peter Paul Rubens.
Das Tagebuch bietet nicht nur tiefe Einblicke in die Bemühungen um die Restitution der Kulturgüter, sondern auch in die Lebenswelt und die alltäglichen Nöte eines jungen Mannes aus gutem Haus in dieser Zeit, in seine Lebens- und Gedankenwelt sowie in seine Beziehungsnetze zu vielen mehr oder weniger berühmten Persönlichkeiten. Groote beobachtete seine Umgebung genau, und sein Tagebuch enthält zahlreiche Geschichten, die andere ihm erzählt hatten. Insgesamt führt es sehr unmittelbar in das Erleben einer Umbruchszeit ein, in der das Fundament von Politik, Gesellschaft und Kultur wenigstens bis zum Ersten Weltkrieg gelegt wurde. 15 Briefe und Schriften Grootes werden im Anhang der Edition geboten.
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Dienstbibliothek

Beitragvon Schwintzer » Di 14. Apr 2015, 12:54

Die oben genannte Publikation liegt bereits der Dienstbibliothek des Historischen Archivs vor. In den nächsten Tagen wird je ein Exemplar an die beiden Lesesäle (am Heumarkt und im Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum) gehen - Signatur Be 82,1. Ein weiteres Exemplar kann von interessierten Kolleginnen und Kollegen gerne bei uns ausgeliehen werden.
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Re: Neuerscheinungen zur Kölner Stadtgeschichte

Beitragvon Plassmann » Mi 15. Apr 2015, 06:25

Cybele Crossetti de Almeida: Führende Kölner Familien im Spätmittelalter. Eine prosopographische Untersuchung. Göttingen: Cuvillier Verlag 2015. ISBN 978-3-95404-966-0.

Die Bielefelder Dissertation beruht auf jahrelangen Auswertungen insbesondere der Schreinsbücher (Best. 101: http://historischesarchivkoeln.de/de/le ... %C3%BCcher). Im Mittelpunkt steht eine genaue Auswertung der Belege zwischen Verbund- und Transfixbrief (1396-1512/13) zu den Familien Hirtze, Dauwe und Wasservasse, die ihrerseits zu 23 weiteren Familien Verbindungen pflegten. Analysiert werden dabei nicht allein die Verwandtschaftsbeziehungen, sondern auch die Strategien zu Gewinn und Erhalt von wirtschaftlichem und politischem Einfluss führender Kölner Familien (Karrieremuster im Rat und zum Bürgermeisteramt, Heirat, Erbschaften, Allianzen usw.). Das Buch trägt so gleichermaßen zur vertieften Kenntnis der Funktionsweise der Kölner Stadtverfassung bei wie zur Klärung zahlreicher genealogischer Probleme rund um die behandelten Familien. Wertvoll sind dabei nicht zuletzt 41 Genealogien Kölner Familien im Untersuchungszeitraum sowie ein prosopographischer Anhang, der aufgrund seines Umfangs der Druckfassung als CD beigegeben wurde. Beide Anhänge sind jedoch auch online abrufbar:

Genealogien:

https://cuvillier.de/uploads/cms_file/c ... Cybele.pdf

Prosopographischer Anhang:

http://www.academia.edu/11738201/K%C3%B ... DE_ALMEIDA
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Eberhard von Groote

Beitragvon Schwintzer » Mi 15. Apr 2015, 07:24

Der Kölner Stadt-Anzeiger hat heute (Mittw., 15. April 2015) einen informativen Artikel zu Eberhard von Groote und dessen Tagebüchern veröffentlicht. Lesenswert!
Groote.pdf
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Re: Neuerscheinungen zur Kölner Stadtgeschichte

Beitragvon Plassmann » Mo 27. Apr 2015, 06:49

Monika Hanauska: „Historia dye ist ein gezuyge der zijt“. Untersuchungen zur pragmatischen Formelhaftigkeit in der volkssprachigen Kölner Stadthistoriographie des Spätmittelalters (= Germanistische Bibliothek. Bd. 55). Heidelberg: Universitätsverlag Winter 2014. 538 S., 8 Abbildungen, ISBN 978-3-8253-6230-0

Die Trierer Dissertation beschäftigt sich mit dem Gebrauch von Sprichwörtern und Routineformeln (also mehr oder minder festen Phrasen und idiomatischen Wendungen) in fünf der wichtigsten Kölner deutschsprachigen Geschichtsdarstellungen des späten Mittelalters. Es sind dies die Reimchronik des Gottfried Hagen (von ca. 1269/1271), die anonyme „Weverslaicht“ (von ca. 1371-1396), „Dat Nuwe Boych“ des Gerlach vom Hauwe (von ca. 1396-1398, siehe hierzu auch die Online-Edition: http://www.neuesbuch.uni-trier.de/?t=text), die „Agrippina“ des Heinrich van Beeck (von ca. 1469-1472) und die Koelhoffsche Chronik (von ca. 1494-1499).
Sprichwörter und Routineformeln werden in diesen Werken gezielt eingesetzt, um sie zu strukturieren, die inhaltlichen Kernaussagen zu transportieren und dazu die Zuhörer- oder Leserschaft anzusprechen, Verweise zwischen den einzelnen Teilen herzustellen, Aufmerksamkeit zu erzeugen, Zeitebenen darzustellen oder zu verwischen oder komplexe Sachverhalte leichter verständlich zu machen. Während in der älteren Forschung Routineformeln eher als schlechter Stil, bei gereimten Werken auch als ungelenke Notbehelfe zur Herstellung eines Reims, angesehen wurden, kann Hanauska ihre gezielte Nutzung durch die Autoren der fünf Werke für die Erreichung ihrer jeweiligen mit dem Abfassen verbundenen Absichten nachweisen. Das schließt schlechten Stil und erzwungene Reime nicht aus, wirft aber im Ganzen ein neues Licht auf die Kölner Stadthistoriographie des Spätmittelalters und auf die literarischen Einflüsse, die auf sie gewirkt haben.
Die Arbeit beruht auf überzeugenden methodischer Prämissen, die von der Arbeit der Trierer Nachwuchsforschergruppe „Historische Formelhafte Sprache und Traditionen des Formulierens“ (HiFoS) inspiriert wurden. Sie lässt sich unter verschiedenen Aspekten lesen: Zunächst als Beitrag zur germanistischen Forschung im Bereich der historischen Phraseologie, der auch dort zur Kenntnis genommen werden wird, wo nicht die Kölner Stadtgeschichte im Zentrum des Interesses steht.
Sodann als Beitrag zur Vertiefung unserer Kenntnisse zu allen fünf untersuchten Werken. Sie alle sind in der Forschung nicht unbekannt. Die hier gebotenen Zusammenfassungen des Forschungsstands zu Entstehung, Autor, dessen Absichten, möglichen Rezipienten und Rahmenbedingungen sind gleichwohl nützlich, da sie auf engem Raum einen konzentrierten Zugang bieten. Die Untersuchung der jeweiligen Funktionen der Sprichwörter und Routineformeln führt dann darüber hinaus zu einem besseren Verstehen der Darstellungen und ihrer beabsichtigten Wirkung. Jegliche Forschung zu Geschichtsbewusstsein, Selbstverständnis und Vorstellungswelt der Kölner – soweit sie auf der Rezeption von Geschichtsdarstellungen beruhen – wird künftig nicht mehr an dieser Arbeit vorbeikommen.
Das gilt umso mehr, als sich im Anhang eine Zusammenstellung aller gebrauchten Sprichwörter findet, und zwar soweit ermittelbar mit Belegen zu ihrer Herkunft. Die Sprichwörter werden systematisch nach semantischen Bereichen ihrer Nutzung (also „Macht“, „Recht“, „Gott (Religion)“ usw.) und nach der spezifischen Nutzung innerhalb dieser Bereiche (also z.B. bei „Handeln“ „richtiges Handeln“, „falsches Handeln“ usw.) geordnet. Damit sind nicht allein die untersuchten historiographischen Werke deutlich besser hinsichtlich ihrer Quellen und der grundlegenden Haltungen ihrer Autoren und auch wenigstens eines Teils ihrer Leser erschlossen. Setzt man voraus, dass die hier nachgewiesenen Sprichwörter einen Sitz im Leben der Kölner im Spätmittelalter hatten, kann die Zusammenstellung als Basis für weitere Studien zu Werten, Mentalität und Selbstbild genutzt werden, die weitere Quellen sowohl aus dem Bereich der Historiographie, als auch aus Verwaltung, Politik und Rechtsprechung genutzt werden.
Insgesamt ist der Arbeit daher weite Verbreitung über den engeren germanistischen Bereich hinaus zu wünschen. Aus Sicht des Historischen Archivs der Stadt Köln ist noch hinzuzufügen, dass das Buch trotz des Einsturzes entstehen konnte, ohne dass auf die Verifizierung älterer Editionen anhand der Originale verzichtet werden musste: Die vorhandenen Mikrofilme und deren digitale Bereitstellung ermöglichen es auch jedem Leser, die Ergebnisse zu überprüfen.
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Re: Neuerscheinungen zur Kölner Stadtgeschichte

Beitragvon Plassmann » Do 28. Mai 2015, 09:42

Anton, Hans Hubert (Hrsg.): Regesten der Bischöfe und Erzbischöfe von Trier. Bd. 1. Bearbeitet von Hans Hubert Anton unter Mitarbeit von Sigrun Anton (= Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde. Bd. LXXXIII). Düsseldorf: Droste Verlag 2015. ISBN 978-3-7700-7645-1, 1018 S.

Das Werk erfasst in Form von Regesten alle Quellen zu den Anfängen der kirchlich-bischöflichen Organisation in Trier sowie zu den ersten Bischöfen Eucharius, Valerius und Maternus, der in der Überlieferung als dritter Bischof gilt. Da aus dem damit behandelten Zeitraum, dem 3. und 4. Jahrhundert, kaum Originalquellen überliefert sind, werden die Quellen der folgenden Jahrhunderte ausgewertet, u.a. Urkunden, Akten, Synodalkonstitutionen sowie Traditionsquellen (Historiographie, Hagiographie, Biographie usw.). Damit wird die traditionelle Gattung „Regestenwerk“ deutlich erweitert. Viele Quellen sind hier erstmals in edierter Form und systematischer Darstellung greifbar, so dass das Werk erheblichen Nutzen sowohl für die Erforschung der spätantiken Verhältnisse, als auch für die der Erinnerung an sie während des Spätmittelalters hat.
Was hat das mit Köln zu tun? Maternus ist 313/314 als Bischof von Köln bezeugt, während mittlerweile unsicher ist, ob er tatsächlich auch in Trier gewirkt (und den zwischen Köln und Trier geteilten Petrusstab mitgebracht hat). Die Beschäftigung mit ihm ist daher gleichzeitig eine Beschäftigung mit der Kölner Kirchengeschichte. Im Register sind zahlreiche weitere Bezüge zu Köln und seinen geistlichen Institutionen nachgewiesen, so dass das Buch künftig auch für viele Fragestellungen der Kölner Geschichte in die Hand genommen werden muss.
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Re: Neuerscheinungen zur Kölner Stadtgeschichte

Beitragvon Plassmann » Mo 15. Jun 2015, 07:20

Enno Stahl: Kein Sturm, keine Aktion. Das literarische Leben im Rheinland der Vorkriegszeit 1900-1914. In: Düsseldorfer Jahrbuch 85 (2015), S. 37-59.

Der Aufsatz ist zwar aus Kölner Sicht an entlegenem Druckort erschienen, behandelt aber auch Literatur Kölns im Jahrzehnt vor dem Ersten Weltkrieg. Im Fokus stehen hier v.a. die "Kölner Blumenspiele" (http://de.wikipedia.org/wiki/Blumenspiele), ein Dichterwettstreit, über dessen literarische Qualität Stahl allerdings ein vernichtendes Urteil ausspricht (v.a. S. 44-46). Die schwülstig-vaterländischen Verse mit promilitärischem und antifranzösischem Inhalt, die er zum Beleg zitiert, geben ihm durchaus recht. Sicherlich taugen die Blumenspiele daher nicht als Vorbild für die lit.COLOGNE, zu deren Vorgeschichte sie dennoch im weiteren Sinn zählen.
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Re: Neuerscheinungen zur Kölner Stadtgeschichte

Beitragvon Plassmann » Di 28. Jul 2015, 06:12

Einen ausführlichen Artikel zu "Köln im Ersten Weltkrieg" von Thomas Mergel bietet des LVR-Portal Rheinische Geschichte:

http://www.rheinische-geschichte.lvr.de ... krieg.aspx
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Münzkabinett Kremsier

Beitragvon Schwintzer » Do 13. Aug 2015, 11:38

Die umfangreichen erzbischöflichen Schlosssammlungen von Kremsier gehören aufgrund ihrer Bedeutung seit 1998 zum UNESCO-Welterbe. Zu dem einzigartigen Bestand an alter Kunst, Handschriften und Musikalien gehört u.a. eine Münz- und Medaillensammlung mit mehr als 10.000 Stücken.
Im Erzdiözesanmuseum Kremsier, ebenfalls in den Räumlichkeiten des Schlossareals beheimatet, wurde 2014 ein Münz- und Medaillenkabinett eröffnet, um diese Bestände einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Anlässlich der Eröffnung erschien der erste Band einer breit angelegten Publikationsreihe, der die Prägungen der rheinländischen Erzbischöfe präsentiert.
Die Dienstbibliothek hat freundlicherweise ein Exemplar der Ausgabe als Geschenk erhalten. Bedeutsam für unsere Arbeit ist dabei insbesondere der umfangreiche Teil zum Erzbistum und Kurfürstentum Köln sowie den Kölner Prägungen.

Münzkabinett Kremsier I: Prägungen der Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln
Hrsg. von Miroslav Myšák und Jan Videman
Muzeum Umení Olomouc. 1. Aufl., 2014
237 S. : zahlr. Ill.
ISBN: 978-80-87149-79-9

In der Dienstbibliothek unter der Signatur 15Bb 00002 zu finden.
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Re: Neuerscheinungen zur Kölner Stadtgeschichte

Beitragvon Plassmann » Do 15. Okt 2015, 06:07

Eine Rezension zur neuesten Biographie über den Kölner Sozialdemokraten Wilhelm Sollmann findet sich hier:

http://www.hsozkult.de/publicationrevie ... cher-22933


Ebert, Simon: Wilhelm Sollmann. Sozialist - Demokrat - Weltbürger
(1881-1951) (= Politik und Gesellschaftsgeschichte 97). Bonn: Verlag J.H.W. Dietz Nachf. 2014. ISBN 978-3-8012-4223-7
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