Kuriositätenkabinett

In diesem Forum werden Ihnen alle Fragen zur Benutzung, Restaurierung und zum Wiederaufbau des Historischen Archivs der Stadt Köln beantwortet.
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Kuriositätenkabinett

Beitragvon Schwintzer » Mi 25. Mär 2015, 12:01

Archive kämpfen mit dem Image verstaubt, unzeitgemäß und langweilig zu sein. Der Archivar (typischerweise in Person eines Mannes) - oder generell die Mitarbeitenden von Archiven wie z.B. Magaziner - werden oft mit den Eigenschaften verschroben, introvertiert, langweilig, graue Maus und natürlich Brillenträger assoziiert. Vielleicht noch mit Geheimnisbewahrer, aber.... So unglaublich es klingen mag, wir Mitarbeitenden des Historischen Archivs Köln sind normale Menschen, so wie Sie und ich. :o Wobei, was ist schon normal?! Jedenfalls sind wir durch unser Verhalten oder unser Erscheinungsbild nicht eindeutig einem bestimmten Berufstand zuzuordnen (zumindest hoffe ich das doch sehr!)
Und auch unsere Arbeit ist nicht langweilig, wie viele meinen. Oft begegnen uns bei der Arbeit spannende, lustige, tragische oder verrückte Archivalien, Geschichte(n), (Vor-)Urteile und Menschen. An dieser Stelle des Forums möchten wir diese mit Ihnen teilen!
Wenn Sie dazu Hinweise, Sprüche oder Anekdoten haben, stelle Sie diese doch gerne ebenfalls hier ein und bringen Sie uns zum Lachen oder Nachdenken! Wir sind gespannt!

:!: Zwei Bitten zum Schluss:
  • die folgenden Beiträge nicht zu Ernst nehmen und...
  • mögliche Urheberrechte wahren!!
Zuletzt geändert von Schwintzer am Do 26. Mär 2015, 15:01, insgesamt 5-mal geändert.
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Robert Walser: Der Archivar

Beitragvon Schwintzer » Mi 25. Mär 2015, 14:54

Es kam einmal ein Archivar zu dem
Entschlusse, sich zu sagen, er sei müde,
und weil ihn das Bewußtsein nun durchdrang,
daß er den Lebensmut verloren habe,
sprach er zu sich: „Ich unglücksel´ger Knabe,
ich wanke.“ Und das tat er in der Tat.
Von einer Ohnmacht wurde er ergriffen,
die Beine zitterten, die Last des Körpers
erschien ihm unerträglich schwer. Im Walde
sangen die sommerlichen Vogelkehlen;
das Jubilieren klang, als sei es glühend rot.
Ihm schien die Festigkeit komplett zu fehlen,
die Seel´ ihm nicht den kleinsten Halt mehr bot,
er lächelte ironisch und war tot.
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Jörn Pfennig: Der Archivar

Beitragvon Schwintzer » Mi 25. Mär 2015, 14:59

Dem Archivar
war ziemlich klar
dass das, was er so sammelte
unbemerkt vergammelte.
Doch weil er war
wie er war
ein wahrer Archivar
sammelte er und sammelte
bis er selbst vergammelte.
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Christian August Clodius: Die Belagerung

Beitragvon Schwintzer » Mi 25. Mär 2015, 15:05

Ein Heer der Guelfen warf Bombarden ohne Zahl,
Schnell, wie der Blitz, und wirksam, wie sein Strahl,
Auf stolze Tempel, und auf marmorne Palläste
Der alten königlichen Veste.
„Um Gottes willen, rief der tapfre General,
Der Dohm ist schon im Brand, der Flammen Fluth strömt heller –
Eins rettet, das Archiv; – wo ist der Archivar?“
„Der Archivar?“ Der Archivar.
„Wo soll er seyn? Da, wo er immer war.“
„Und wo?“ Er sitzt. „Wo sitzt er denn?“ Im Keller.
„Was thut er da?“ Er löscht. „Wie kann das möglich seyn?“
„Was löscht er?“ Seinen Durst. „Womit?“ Mit Cypernwein.

Dulce est pro patria bibere.
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Hmm...na ja.....

Beitragvon Schwintzer » Do 26. Mär 2015, 13:43

Man stirbt standesgemäß:

> Der Gärtner beißt ins Gras.
> Der Koch gibt den Löffel ab.
> Der Turner verreckt.
> Den Elektriker trifft der Schlag.
> Den Pfarrer segnet das Zeitliche.
> Der Spachtelfabrikant kratzt ab.
> Der Schaffner liegt in den letzten Zügen.
> Der Beamte entschläft sanft.
> Der Religiöse muss dran glauben.
> Der Zahnarzt hinterläßt eine schmerzliche Lücke.
> Der Gemüsehändler schaut sich die Radieschen von unten an.
> Der Fechter sprintgt über die Klinge.
> Die Putzfrau kehrt nie wieder.
> Der Anwalt steht vor dem Jüngsten Gericht.
> Der Autohändler kommt unter die Räder.
> Der Kfz-Mechaniker schmiert ab.
> Der Jäger geht in die ewigen Jagdgründe ein.
> Der Schornsteinfeger erbleicht.
> Der Rabbi geht über den Jordan.
> Der Optiker schließt für immer die Augen.
> Der Eremit wird heimgerufen.
> Der Tenor hört die Englein singen.
> Der Spanner ist weg vom Fenster.

> und - zum guten Schluss:
> Der Archivar wird zu den Akten gelegt.
Zuletzt geändert von Schwintzer am Fr 27. Mär 2015, 11:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Die Bibliothek...

Beitragvon Schwintzer » Do 26. Mär 2015, 13:51

Ganz zu Beginn meines Studiums bin ich auf einen Text gestoßen, der mich die folgenden Jahre begleitet hat. Er bezieht sich auf Bibliotheken, Archive können sich aber genauso angesprochen fühlen. Für mich geht es in dem Text nicht darum, technische Fortschritte zu verteufeln - sie bieten uns grandiose Möglichkeiten, doch gleichzeitig sollten wir auf die Werte achten, die uns manchmal vielleicht altmodisch erscheinen mögen und trotzdem viel von dem ausmachen, was das Leben reich machen kann.

Die Bibliothek war ein Ort, an dem man nach der Vergangenheit suchte; heute will sie einer sein, an dem man die Zukunft findet. Vergeßt die Bibliothek als Ort der Stille, der Langsamkeit und Sicherheit nicht. Informationen bieten keine Gefühle, keine Ideen, keine Einsichten, keine Weisheit. Ich weiß, daß Technologie sich gut verkaufen läßt, aber wir Schriftsteller und Bibliothekare sollten dafür sorgen, daß Ideen vermittelt werden.
Richard Rodriquez, in seinem Vortrag Computer und Bücher: Einspruch eines Schriftstellers, ALA Annual Conference, New York, 07.07.1996 (in der Übersetzung von K. Heinrich)
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Ah, so ist das...??...

Beitragvon Schwintzer » Do 26. Mär 2015, 14:45

Warum tragen Archivare eine Brille?
Damit sie sich beim Einschlafen nicht mit dem Bleistift ins Auge piksen.

Was ist die Hymne der Archivare?
Wake me up before you go go...
Zuletzt geändert von Schwintzer am Do 26. Mär 2015, 17:41, insgesamt 2-mal geändert.
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Na klar, das Vorurteil der Langsamkeit

Beitragvon Schwintzer » Do 26. Mär 2015, 14:47

Zwei Archivare sitzen zusammen im Büro. "Was hältst du davon, uns ein Aquarium kaufen?" "Meinst Du nicht das bringt zu viel Hektik ins Büro?"

Zwei Archivare sind unterwegs. Da stolpert der eine. "Was ist los?" "Ich bin auf einer Schnecke ausgerutscht." "Hast Du die nicht gesehen?" "Nee, die kam doch von hinten."
Zuletzt geändert von Schwintzer am Do 26. Mär 2015, 14:57, insgesamt 1-mal geändert.
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COD1NG DA V1NC1

Beitragvon bergera » Di 19. Jun 2018, 09:34

Schon der Name ist kurios: COD1NG DA V1NC1
Na ja, nur teilweise kurios und deshalb hier im Kabinett nicht ganz falsch.

Es handelt sich um einen Kultur-Hackathon im Umfeld der Deutschen Digitalen Bibliothek, den es schon seit 2014 gibt. In einzelnen Veranstaltungen werden Anwendungen für Smartphone oder den PC erstellt, die auf freie Kulturdaten der unterschiedlichsten Form zugreifen. Daraus entstehen sehr Creative Anwendungen, die manchmal nur witzig oder schön sind aber oft auch einen anderen Zweck verfolgen. Schaut einfach mal!

Ein Vorgucker für ein Spiel mit aktuellem Bezug ist hier zu finden.
Oder wenn ich wissen will, welchen Vogel ich da gerade sehe oder höre, kann ich das hier herausfinden.
Als Letztes Beispiel etwas für Einsenbahnfreunde: Fahrkarten
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