Die Dienstbibliothek des Historischen Archivs

In diesem Forum werden Ihnen alle Fragen zur Benutzung, Restaurierung und zum Wiederaufbau des Historischen Archivs der Stadt Köln beantwortet.
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Die Dienstbibliothek des Historischen Archivs

Beitragvon Schwintzer » Fr 13. Mär 2015, 09:34

Das Historische Archiv der Stadt Köln unterhält eine umfangreiche Dienstbibliothek. Vorrangige Aufgabe ist die Literaturversorgung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Archivs. Daneben hat die Dienstbibliothek verschiedene Sammlungsschwerpunkte sowie eine Archivfunktion für Amtsdruckschriften und Graue Literatur (s.u.).

Untergebracht ist die Bibliothek im Magazinbereich des Restaurierungs- und Digitalisierungszentrums in Porz/Lind. Außerdem stehen in beiden Lesesälen des Archivs Nachschlagewerke sowie wichtige Standardliteratur zur Kölner Geschichte für eine Einsichtnahme zur Verfügung.

Ausgelegt ist die Bibliothek für eine Präsenznutzung. Interessierte Nutzer können die Werke in den Lesesälen einsehen. An den Leihverkehr ist die Bibliothek nicht angeschlossen.

Ein Teil der Bestände können Sie über den Bibliothekskatalog im Internet recherchieren: http://hastk.bibdia-hosts.de/opax12/de/index.html.S. Wenn sie etwas gefunden haben, was Sie interessiert, werden wir versuchen, dass Buch für Sie bereit zu stellen. Leider ist das nicht in jedem Fall möglich, da nach dem Einsturz noch nicht alle Bücher wieder zusammenführt und systematisch aufgestellt werden konnten.

Bei weitergehenden Fragen zu dem Bestand oder Recherche- oder Terminwünschen nutzen Sie bitte die üblichen Kontaktwege:
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Die Geschichte der Dienstbibliothek

Beitragvon Schwintzer » Fr 13. Mär 2015, 14:04

Die Entstehung der Dienstbibliothek ist auf die Gründung einer juristisch-politischen Handbibliothek des Rates vom 27. Februar 1602 zurückzuführen. Ihr Bestand war klar thematisch abgesteckt, ihr Schicksal als "Senats-" oder "Syndikatsbibliothek" bis ins 20. Jh. hinein eng verbunden mit dem vom "archiv uff dem raidthuiss" (Stadtarchiv).
Die Bibliothek als ein Bestandteil des Archivs stand seit 1414 bis zum Ende der alten Reichsstadt in der Franzosenzeit (1804-15) unter Aufsicht der "Gewulvemeister". Damit gemeint sind die "Gewölbemeister" vom mittelalterlichen Archivgewölbe des Ratsturms, wo die bedeutenden Urkunden und Verträge der Stadt lagerten. Später leistete ein Gremium von städtischen Rechtsgelehrten, Syndici genannt, diese Aufsicht. So ist der Überlieferung zu entnehmen, dass der Syndikus Ley bei seiner Ernennung zum Archivarius 1724, ausdrücklich auf die ordnungsgemäße Verwaltung des Bücherbestandes verpflichtet wurde.
Die Syndikatsbibliothek war bereits 1824 verhältnismäßig groß, eine Bestandsaufnahme ergab 1817 Bände. Erwerbungen der Bibliothek erstrecken sich auf wichtige, oft recht wertvolle Werke aus den Rechts- und Staatswissenschaften, die auf der Frankfurter Messe, erstmals erwähnt 1160, erworben wurden. Buchkäufe aus anderen Bereichen der Wissenschaft wurden, abgesehen von einigen umfangreichen geschichtlichen Quellenwerken, zunächst nicht getätigt.

Die Bestandsstruktur änderte sich erst im März 1824 durch den Tod von Professor Ferdinand Franz Wallraf, der der Stadt Köln neben seinem Vermögen auch seine umfangreiche Büchersammlung vererbte. Damit schaffte er die Grundlage für eine größere öffentliche Bibliothek, die in ihrer Bedeutung der alten Reichsstadt Köln würdig war.
Ein wertvoller und umfangreicher Teil der Sammlung Wallrafs setzt sich aus Schätzen zusammen, die bei Beginn der französischen Besetzung und in Folge der Säkularisierung des katholischen Kirchen- und Klosterguts verschleppt wurden. Wallraf versuchte durch Ankäufe davon zu retten, was im Interesse seiner Vaterstadt sein konnte. Systematisch ging er dabei nicht vor. Folgende Merkmale kennzeichnen die Sammlung Wallraf:
  1. kaum ein Literaturzweig wird in der Sammlung vernachlässigt
  2. unter Privatbibliotheken der damaligen Zeit genießt sie einen hervorragenden Ruf
  3. Drucksachen zur rheinischen und besonders kölnischen Geschichte sind in keiner anderen Privatbibliothek des 19. Jh.s so umfangreich vertreten
  4. Wallraf integrierte Erzeugnisse der Tagespresse, Flug- und Gelegenheitsschriften sowie "literarische Kleinigkeiten" in die Sammlung
Das Beispiel Wallraffs machte Schule. In der Folge erhielt die Syndikatsbibliothek weitere Büchergaben aus Privatbesitz. Bücherankäufe erfolgten in dieser Zeit hingegen kaum.

Untergebracht wurde die Bibliothek Wallrafs zunächst im Hansasaal des Rathauses sowie einem angrenzenden Zimmer. Später wanderte sie in den Senatssaal im Rathausturm, in die Ratskapelle und schließlich 1862 in einen Saal der Freitagsrentkammer im Spanischen Bau. Eine Vereinigung mit der Syndikatsbibliothek gelang nicht, da ein geeigneter Raum fehlte.
Die Verwaltung der Bibliothek Wallrafs war bis 1880 - wie die der Syndikatsbibliothek - ein Anhängsel des Archivariats. Nach einem Reglement von 1857 waren beide Bibliotheken täglich vormittags von 10:00-12:00 Uhr geöffnet. Doch die Kölner Bürger waren beflügelt von der Idee, eine öffentliche, für den Bürger zugängliche Bibliothek in Köln anzusiedeln. Anderorts waren solche Einrichtungen längst etabliert, während das Projekt in Köln immer wieder diskutiert wurde, die Verwirklichung aus finanziellen Gründen jedoch scheiterte.

Endlich beschloss man 1874 den Neubau eines Bibliotheksgebäudes auf dem Platz gegenüber des Rathauses. Mit dem Bezug des Gebäudes1877/78 wurde ein wichtiger Schritt in Richtung der lange gewünschten "Stadtbibliothek" vollzogen - eine sogenannte "Öffentliche Bildungsanstalt" mit dem Ziel der öffentliche Büchersammlung, die für wissenschaftliche Zwecke oder "ernste Belehrung" unentgeltlich benutzt werden könne (wissenschaftliche Studienbibliothek).
1880, im Todesjahr von Leonard Ennen, dem ersten hauptamtlichen Archivleiter, wurde beschlossen, Archiv- und Bibliotheksbestände voneinander zu trennen und neu zu organisieren. Gründe dafür waren wohl der erwähnte Wunsch nach einer Öffentlichen Bibliothek sowie der Betreuungsaufwand, der von einem Archivar allein nicht mehr zu bewältigen war. In der Folge verblieb das gesamte handschriftliche Material im Archiv, während der Bibliothek alles Gedruckte übergeben wurde. Die heutige Universitäts- und Stadtbibliothek war entstanden! Sie sprengte durch Umfang und Inhalt den engen Rahmen einer Archiv-Handbibliothek.

Die Bibliothek des Historischen Archivs ist, so wie sie heute besteht, der Restbestand von der Dienstbibliothek, den die Archivare für ihre tägliche Arbeit brauchten und daher nicht abgegeben haben. Aus den Restbeständen entwickelte sich über die Jahrzehnte eine Archivbibliothek, die als einzigartig in ihrer speziell auf die Verhältnisse in Köln zugeschnittene Sammlung bezeichnet werden kann.
Bedingt durch die lokale Anbindung an das Historische Archiv, entstand eine Wissenschaftliche Spezialbibliothek, die Bestände vorweist, die teilweise an keiner anderen Stelle mehr verfügbar sind. Hierzu zählen neben zahlreichen amtlichen und nicht-amtlichen Druckerzeugnissen mit Kölnischem oder Rheinischem Bezug, diverse Veröffentlichungen, die außerhalb des Verlagsbuchhandels erschienen sind (sog. Graue Literatur).
Seit 1968 wird die Bibliothek des Archivs von einem hauptamtlichen Bibliothekaren geführt. Um die Folgen des Einsturzes abzufedern, arbeiten heute vier Vollzeitkräfte in der Bibliothek (zwei Diplom-Bibliothekarinnen und zwei Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste (FaMI), Fachrichtung Bibliothek)
Das geschichtsträchtige Köln in all seinen Facetten spiegelt sich nicht nur in den Beständen des Stadtarchivs wieder, sondern auch die Dienstbibliothek liefert Zeugnis davon.
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Die Bestände der Dienstbibliothek

Beitragvon Schwintzer » Fr 13. Mär 2015, 14:56

Hauptaufgabe der Dienstbibliothek ist die Literaturversorgung der Mitarbeiter. Dazu wird zum einen viel Literatur zum Archivwesen erworben, zur Geschichte Kölns, zu Leben und Werk von Personen, die uns ihren Nachlass anvertrauen usw. Literatur zu den Themen Bestandserhaltung und Restaurierung wird gerade seit dem Einsturz des Archivs vermehrt angeschafft. Wichtig sind dabei insbesondere Fachzeitschriften, in denen neue Erkenntnisse diskutieren werden.
Für Publikationen, die mit Hilfe von Archivalien entstanden sind, besitzt die Bibliothek ein Pflichtabgaberecht. Das bedeutet, dass jeder, der etwas veröffentlicht, wofür er mit einem Bestand des Archives gearbeitet hat, ihn z.B. zitiert oder eine Abbildung davon einfügt, der Dienstbibliothek ein Exemplar des entstandenen Werks kostenfrei zur Verfügung stellt, damit wir es als Grundlage für weitere wissenschaftliche Arbeiten zur Verfügung stellen können.

Weiter unterhält die Dienstbibliothek Tauschpartnerschaften mit verschiedenen Institutionen. Nicht zuletzt werden wir dankenswerterweise auch immer mal wieder mit Schenkungen ausgewählter Stücke von Privatpersonen oder anderen Ämtern bedacht. Wir freuen uns darüber sehr, können wir doch garantieren, dass diese besonderen - alten und/oder seltenen - Werke bei uns gut aufgehoben sind und für zukünftige Generationen nicht verloren gehen.
Für Publikationen der Stadtverwaltung haben wir ebenfalls ein Pflichtabgaberecht. Gedruckte Erzeugnisse der kommunalen Verwaltung, sogenannte Amtsdruckschriften müssen an uns - sofern sie rechtlich bedeutsam oder historisch interessant sind - abgegeben werden. Diese Schriften werden von uns ebenfalls im Bibliothekskatalog erfasst, geordnet und verwaltet.

Neben den genannten Bezugsquellen und Anschaffungsgründen unterhält die Dienstbibliothek verschiedene Sammlungsschwerpunkte, die ohne Anspruch auf Vollständigkeit, gepflegt werden. Beispielhaft seinen genannt:
  • Stadtgeschichte Kölns, Rheinische Landesgeschichte usw., da sie für aktuelle und zukünftige Archivarbeit bedeutsam ist.
  • Sogenannte Graue Literatur, also Literatur, die außerhalb des Verlagsbuchhandels entsteht. Sie bildet das gesellschaftliche Leben ab, zu nennen wären u.a. Mitteilungsheftchen von Karnevals- oder Sportvereinen oder Werbung von Parteien.
  • Da Köln eine alte Hansestadt ist, ergab sich der Schwerpunkt Hanse quasi von selbst...
  • Und die umfangreichen Altbestände sind etwas besonderes, das uns natürlich besonders am Herzen liegt!
Zuletzt geändert von Schwintzer am Fr 13. Mär 2015, 15:40, insgesamt 2-mal geändert.
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Der Online-Katalog der Bibliothek

Beitragvon Schwintzer » Fr 13. Mär 2015, 15:28

Lange Zeit wurde in der Dienstbibliothek mit Zettelkatalogen gearbeitet. 2007 ist der technische Fortschritt in Form eines Online-Bibliothekskatalogs dann aber auch bei uns angekommen. Seitdem werden sämtliche Publikationen, die in den Bestand der Dienstbibliothek kommen, elektronisch verzeichnet.
Schwieriger ist es mit den Büchern, die vor 2007 aufgenommen wurden. Die Zettelkatalogkarten wurden alle digitalisiert, was zu rund 16.000 Datensätzen in unserem Bibliothekssystem geführt hat. Davon muss leider jeder einzelne Datensatz einzeln von uns bearbeitet werden:
  • Fehler müssen korrigiert,
  • Dubletten gelöscht,
  • Reihen, Serien oder mehrbändigen Werken verknüpft
  • und schlussendlich Angaben zu dem jeweiligen Buch, wie Signatur, Exemplarnummer, Standort und Zugangsnummer per Hand eingegeben werden
Das macht viel Arbeit! Im Anschluss an diese Bearbeitung geben wir die Datensätze frei, sodass sie im Online-Bibliothekskatalog angezeigt werden. Mit jedem Arbeitstag erhöht sich also die Zahl der Werke, die im Internet von jedem gesucht, gefunden und angeschaut werden können. Hier noch mal der Link zum Katalog: http://hastk.bibdia-hosts.de/opax12/de/index.html.S
Problematisch ist, dass eine Schublade des Zettelkatalogs seit dem Einsturz verschwunden ist, die Karten mit den dort verzeichneten Büchern somit nicht digitalisiert werden konnten und folglich weder digital noch analog recherchiert werden können. Erst nach einer großen Revision, die allerdings erst in einigen Jahren stattfinden kann, da die Bücher bisher nicht wieder komplett zusammengeführt und aufgestellt werden konnten, werden wir alles vervollständigen können.

Wenn Sie ein gewünschtes Buch nicht finden, zögern Sie nicht, Kontakt mit uns aufzunehmen. Wir werden gerne versuchen, Ihnen weiterzuhelfen!
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